Goodwood Members‘ Meeting

Der Regen am frühen Morgen hat den Goodwood Motor Circuit gründlich gereinigt und offenbarte gleichzeitig eine unglaubliche Auswahl an Autos, aufgereiht in ihren Paddocks und bereit, die Rennstrecke zu stürmen. Das 75ste Goodwood Members‘ Meeting erlebte 12 Rennen während des Wochenendes, Autos begaben sich auf die Strecke, die ein ganzes Jahrhundert Motorsport-Geschichte umspannten.

In der Nacht zuvor begann der Event im echten Goodwood-Style: Zur Freude der Gäste von Lord March brach beim Members’ Meeting Governor’s Ball ein Dutzend unglaublich lauter 2-Takt 250 und 350 cc Grand-Prix-Motorräder durch Goodwood House. Unter den Gästen frühere Grand Prix Stars, von der britischen TV-Ikone Mary Berry ganz zu schweigen …

Der Nachmittag begann mit dem Derek Bell Cup für 1-Liter Formel3-Autos, Martin Hibbert pflanzte seinen Ex-Zielflaggen-Brabham zuvor auf überzeugende Weise in die Pole. Ebenfalls eine Menge wheel-to-wheel-action war in der beliebten Gerry Marshall Trophy für 1970er bis 1982er Limousinen zu erwarten. Beim zwei-Fahrer-Rennen am Abend gingen dann Autobesitzer, aktuelle Stars und Rennveteranen volle Pulle auf Angriff in der Dämmerung. Legendäre Asse wie Robert Ravaglia, Andy Priaux, Rob Huff, Stuart Graham, Gerhard Berger, Tom Kristensen und Mark Blundell lieferten ihre Show ab, das Ergebnis entschied dann auch über die Startreihenfolge für den Reverse Grid Einzelsprint am Sonntag.

Neben der Action auf dem berühmten Goodwood Motor Circuit bot das Mitglieder-Treffen auch außerhalb der Rennstrecke eine riesige Auswahl an Attraktionen für die ganze Familie an, darunter eine Auktion von Bonhams, eine exlusive Abendveranstaltung am Samstag und eine große Auswahl an Speisen und Entertainment rundum.

Das Members‘ Meeting endete mit einem überzeugenden Sieg von Simon Hadfield bei der spektakulären Surtees Trophy. Im schnellsten Rennen des Wochenendes für Sport-Prototypen von 1962-66 setzte sich der Renn-Veteran mit seinem Lola T70 an die Spitze, kaum dass die Flagge sich senkte. Er wurde nie überholt, außer während einer Safety-Car-Phase nachdem Laurie Bennett bei St. Mary’s nach einem robusten Wettstreit von der Strecke ging und mehrere Autos kollidierten als er wieder auf die Fahrbahn ging. Als das Rennen neu startete brauste Hadfield davon und Lola T70-Mann Tony Sinclair führte vor dem Ford GT40 Fahrer Sam Hancock beim Kampf um die weiteren Podiumsplätze.

Reverse Grid Racing
Chris Ward machte weiter, wo er Samstag aufhörte und gewann die Fortsetzung der Gerry Marshall-Trophy am Sonntag. Das Reverse Grid-Rennen funktionierte hervorragend, die schnellsten Autos vom Rennen am Samstag starteten im hinteren Teil des Feldes, bevor sie sich dann wieder nach vorne arbeiten konnten. Der brandschnelle Rover SD1 von Ward war nicht aufzuhalten, der Veteran führte über dreiviertel des Weges während der 20-minütigen Begegnung. Der wahre Held des Rennens war allerdings für viele Jim Morris in seinem VW Golf GTi, der tapfer über einen guten Teil der Distanz führte und schließlich den vierten Platz belegte. Ein begeisterter Ward sagte anschließend: „Was für ein fantastisches Rennen. Ich liebte es. Und was für ein tolles Format. Die Bedingungen draußen waren fantastisch, das hat den Unterschied gemacht!“

Tourenwagen-Titanen
Tourenwagenrennen sind schon lange zentraler Bestandteil in Goodwood. Sowohl historisch betrachtet als auch seit der Wiedereröffnung 1998. In diesem Jahr würdigte das Members’ Meeting die lang vermisste Gruppe-A-Kategorie, die ihre Blütezeit in den 1980er Jahren hatte. Eine große Auswahl an Autos, die in dieser Zeitspanne miteinander konkurrierten wurden übers Wochenende zur Rennstrecke auf den Kurs gebracht, vom Noblen (Jaguar XJ-S) bis hin zum leicht Seltsamen (der ultraschnelle Volvo 240 Turbo „fliegender Ziegelstein“) über den Rover SD1 Vitesse, BMW M3 und Sierra RS500. Nicht nur das, auch 80er Jahre Helden wie Steve Soper und Roberto Ravaglia saßen hier hinterm Steuer.

Colburn brilliert beim Sonntags-Opening
James Colburn verdiente sich am Sonntag seine Lorbeeren in einem ereignisreichen Westlake Cup. Teenager-Sensation Richard Woollmer, der am Vortag ann Bord seines Sebring Sprite im Wet Qualifying Furore machte, war hinter der Linie zu langsam, James Colburn katapultierte sich in seinem Lenham Sprite GT von der Außenposition der ersten Reihe an die Spitze als die Starflagge herunterging. Der Zweikampf ging auf der Strecke weiter, die Führung wurde wiederholt gewechselt. Nur während einer Safety-Car-Phase verringerte sich ihre Überlegenheit. Nach knapp der Hälfte der gefahrenen Distanz wurde das Rennen neu gestartet – und fast unvermittelt prallten Woolmer und James Dean in den Ecosse Sprite von Stephen Skipworth. Beide Autos schieden aus, glücklicherweise blieben die Fahrer unverletzt.

Die rote Flagge kam zum Einsatz, doch Colburn wurde nicht mehr überholt als das Rennen wieder aufgenommen wurde – obwohl bis zum Ende durchaus noch Kämpfe ausgefochten wurden. „Das war eine schöne Rauferei mit Richard“, sagte der Gewinner später. „Das hat mich tatsächlich an diesem Sonntagmorgen wach gemacht. Es ein Vernügen hier zu sein, es war ein tolles Rennen. Es war fantastisch.“

Rover-Duo dominiert im Tourenwagen-Thriller
Das Rover SD1 Duo Gordon Shedden und Chris Ward fuhr in der Gerry Marshall Trophy für 1970er bis 1982er Limousinen, dem Abschluss der Samstagsrennen, einen überzeugenden Sieg ein. Der frühere Le Mans-Sieger Mark Blundell verließ die Startlinie als Erster, wenngleich er für einen Frühstart zehn Strafsekunden erhielt, aber es war Stuart Graham an Bord von Nigel Garretts Camarro Z/28 der in den ersten Runden führte. Doch Shedden und Ward zeigten schnell ihre Dominanz. Beim Fahrerwechsel nach 20 Minuten schob sich der Camaro von Graeme und Oliver Bryant auf den zweiten Platz und Garrett kam als Dritter. Nach zwei Dritteln der Distanz kam das Safety-Car auf die Strecke, nachdem Mike Wilds in einem Mazda RX-7 mit einer Reifenmauer kollidierte. Dies ließ den 45-Sekunden-Vorsprung des Führenden auf einen Schlag verschwinden. Nichtsdestotrotz hielten sie ihren ersten Platz bis sich die karierte Flagge nach 52 großartigen Rennminuten senkte.

Tourenwagen-Star Shedder sagte später: „ Es war ein fantastischer Sieg und es machte viel mehr Spaß, den Rover im Trockenen zu fahren als morgens im Regen. Es war ein großer Spaß, allerdings war die Beleuchtung im besten Fall durchschnittlich!“

Hibberd lässt das Feld hinter sich
Andrew Hibberd war eine Klasse für sich als er beim Derek Bell Cup beim 75sten Members‘ Meeting zu Ehren kam. Das Rennen für 1-Liter Formel3 „Screamers“, sah viel Action auf und ab und Pole-Besitzer Hibbert erlebte einen „grasigen“ Moment in der ersten Runde, nur um dann einen konkurrenzlosen Sieg einzufahren. Während des 20-Minuten Rennens entschwand er einfach in der Ferne und steuerte seinen Ex-Champion Brabham BT18, der in Goodwood regelmäßig siegte. Hibberds Siegvorsprung waren erstaunliche 39 Sekunden.

Der jubelnde Sieger sagte später: „Es ist so eine großartige Strecke, die für diesen Autotyp wie geschaffen ist. Ich liebe diesen Circuit und das Members‘ Meeting ist eine großartige Veranstaltung.“