Richtig trailern

Der lang ersehnte Oldtimer ist gekauft und soll abgeholt werden. Da das Fahrzeug keine Zulassung hat, muss ein Anhänger her – aber woher und welcher? Ist das eigene Zugfahrzeug wirklich geeignet einen Anhänger mit dem aufgeladenem Oldtimer zu ziehen? Und darf jeder ein Zugfahrzeug mit Anhänger fahren? Auf all diese Fragen und mehr gibt Auto Classic Antworten.

Was für ein Anhänger macht Sinn?
In der Regel kommt für den Privatmann nur eine Form des Anhängers in Frage – der sogenannte Tandem Anhänger. Solche Anhänger gibt es als offene Pritschen oder mit einer geschlossenen Plane. Der Anhänger hat zwei Achsen, daher der Name Tandem-Anhänger. Diese Achsen sind zusätzlich gebremst. Das bedeutet, dass beim Abbremsen des Zugfahrzeugs die Anhängerdeichsel auf die Kupplung drückt und die Auflaufbremse aktiviert wird. Ist ein Oldtimer besonders hochwertig, auffällig oder selten, empfiehlt sich der Einsatz eines geschlossenen Planen-Anhängers, denn das Interesse anderer Verkehrsteilnehmer an der schönen Ladung kann zu riskanten Überholmanövern führen. Um ein Erinnerungsfoto zu schießen, nehmen manche Zeitgenossen auch mal ein bisschen Risiko in Kauf. Natürlich ist ihr Oldtimer bei einem geschlossenen Transport auch besser vor Witterung und Schmutz geschützt. Auch ist eine Winde zum Heraufziehen des zu transportierenden Oldies eine praktische Sache – vor allem, wenn der Wagen nicht fahrbereit ist.
Beachten Sie auch die Maße des Anhängers. Der Oldtimer muss sicher auf dem Hänger stehen können. Ein zu kurzer Hänger ist nicht zulässig. Zudem ist die ausreichende Lastenverteilung mit einem zu kurzen Hänger nicht möglich.

Die Wahl des richtigen Anhängers hängt aber auch von der zulässigen Anhängelast ab, die im KFZ Schein des Zugfahrzeugs vermerkt ist. Eine Faustregel ist, das Gewichts-Verhältnis Zugfahrzeug zu Zuglast sollte etwa 1:1 betragen. Bei größeren Zugfahrzeugen, wie zum Beispiel bei Geländewagen, Vans oder SUVs kann das 1,5 fache Gewicht gezogen werden. Dies gilt aber nur bei gebremsten Anhängern. Klar, dass ein Kleinwagen auf keinen Fall eine große Limousine ziehen darf. Bedenken Sie aber auch das Gewicht des Anhängers.

Was ist eigentlich „Stützlast“?
An jeder Anhängerkupplung, sowohl auf dem Anhänger als auch am Haken des Zugfahrzeugs findet sich ein Schild mit der zulässigen Stützlast. Steht auf der Kupplung des Zugfahrzeugs eine Stützlast von 70 kg und auf der Kupplung des Anhängers eine Stützlast von 80 kg, gilt immer der niedrigere Wert. Dies bedeutet, dass die zulässige Stützlast in diesem Falle bei 70kg liegt. Der Anhänger muss allerdings mindestens mit 4 Prozent des momentanen Gewichts auf die Kupplung des Zugwagens drücken. So liegt dieser Wert bei einem Anhänger mit etwa 650 kg Eigengewicht und einem aufgeladenen Oldtimer mit 1100 kg Gesamtgewicht läge diese Mindeststützlast bei 70 kg. Dieser Wert sollte auch unbedingt eingehalten werden, denn jedes Kilogramm zu viel oder zu wenig kann den Bremsweg erhöhen und schlimmstenfalls das Gespann ins Schleudern bringen.

„Perfekt laden“ ist hier die Devise. Es gibt zwei Wege die richtige Stützlast zu prüfen. Die einfachste Methode ist, sich das Gespann aus einiger Entfernung zu betrachten. Zugfahrzeug und Anhänger mit Last müssen eine gerade Linie ergeben. Erkennen Sie jedoch in Höhe der Kupplung einen Knick, stimmt die Stützlast nicht. Neigt sich der Knick nach unten, ist die Stützlast zu hoch. Dies bedeutet, dass das Hauptgewicht der Last weiter nach hinten auf den Hänger verlagert werden muss. Kippt die Kupplung nach oben, ist die Stützlast zu leicht. Das Gewicht der Last auf dem Anhänger muss weiter nach vorne versetzt werden. Manche Anhängerkupplungen haben einen visuellen Indikator für die Stützlast. Ein Stift mit einer roten und grünen Markierung zeigt an, ob die passende Stützlast erreicht ist. Ist der Stift im grünen Bereich, stimmt die Stützlast, erkennt man den roten Bereich, stimmt die Stützlast nicht.

Wer es ganz genau nehmen will, der kann die Stützlast auch messen. Dazu benötigt man eine Badezimmerwaage. Ein dickerer Holzpflock wird zwischen die Waage und die Spitze der Deichsel geklemmt. Fahren Sie das Stützrad ein. Nun erkennt man auf der Waage die eigentliche Stützlast. Durch verschieben des Oldtimers läßt sich die Stützlast nun perfekt einrichten. Praktischer Tipp: Bei ihrem eigenen Anhänger, der möglicherweise öfter für das selbe Fahrzeug genutzt wird, können Sie eine entsprechende Markierung anbringen oder einen Radkeil auf der Lauffläche befestigen, die für künftige Transporte die Position festhalten.

Darf jeder einen Wagen mit Anhänger fahren?
Führerscheininhaber des alten deutschen PKW Führerscheins der Klasse 3 dürfen grundsätzlich ein- und tandemachsige Anhänger bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen bewegen.
Inhaber des neuen Europäischen Führerscheins müssen hier einige Vorschriften beachten. Mit dem europäischen Standard PKW Führerschein der Klasse B ist das Ziehen eines Anhängers nur dann erlaubt, wenn das Gesamtgewicht des Anhängers 750 kg nicht überschreitet. Auch wenn die Klasse B das Führen eines Fahrzeugs mit dem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen berechtigt, trifft dies nicht auf Anhänger über 750 kg zu. Dies gilt, wenn das Zugfahrzeug bei einem Gesamtgewicht zwischen 2,5 Tonnen und 3,5 Tonnen liegt. Ist das Zugfahrzeug leichter, zum Beispiel liegt das Gesamtgewicht bei etwa 1000 kg, darf ein Anhänger mit einem Gesamtgewicht von 1,6 Tonnen (laut Ziffer 15 des Fahrzeugscheins) gezogen werden.

Will man allerdings bei einem Gesamtgewicht des Fahrzeuges über 2,5 Tonnen einen KFZ-Anhänger ziehen, muss im Führerschein der Zusatz „Klasse E“ für die Anhänger Zusatzberechtigung gekennzeichnet sein.

Wo gibt‘s Anhänger für den Oldtimer-Transport?
Wer nur gelegentlich einen Anhänger braucht fährt günstig, wenn er sich das Transportmittel bei Bedarf mietet. Die Miet-Preise variieren zwischen 20-40 Euro pro Tag und je nach Variante. Die meisten Vermieter bieten günstige Wochenend-Preise. Denken Sie daran, dass Sie eine Kaution hinterlegen müssen.

Die richtige Sicherung der Ladung
Falsch beladene Anhänger und unzureichend gesicherte Ladung können zum Verhängnis werden. Die Ladung kann bei einer Bremsung verrutschen oder den Hänger stark ins Schlingern bringen.

Die richtige Beladung des Fahrzeugs beginnt beim Aufladen. Wenn der Oldtimer nicht fahrbereit ist, kann das Fahrzeug mit einer am Hänger angebrachten Winde auf den Hänger gezogen werden. Nehemn Sie sich ein bis zwei Helfer, die Sie beim Aufladen durch seitliches Schieben unterstützen. Das Zugseil wird immer an der Stelle eingehakt, an der auch ein Abschleppseil befestigt werden würde, d.h. am Schlepphaken oder an einem festen Rahmenpunkt – und niemals! an der Achse oder leichten Teilen. Vorsicht: Löst sich das unter Spannung stehende Seil, weil sich die Verankerung oder der Befestigungspunkt reißt, wird es zu einem lebensgefährlichen Geschoss. Während die Kurbel angezogen wird, achtet die zweite Person an der Rampe darauf, dass das Fahrzeug in der Spur bleibt und nicht von den Rampen abrutscht. Koppeln Sie während des Aufladens den Anhänger von der Kupplung ab und ziehen Sie die Handbremse des Hängers an. So kann der Anhänger leicht ankippen und das Auffahren ist nicht so steil und mühsam. Es gibt auch KFZ-Anhänger, bei der die Ladefläche hydraulisch abgekippt werden kann. Diese Anhänger müssen nicht abgekoppelt werden.

Auch beim eigenständigen Auffahren des Oldtimers auf den Hänger ist es hilfreich, eine zweite Person dabei zu haben, die beobachtet und einweist. Ist der Anhänger erst einmal auf der Ladefläche, kippt der Anhänger wieder in die waagerechte Position. Bei Fahrzeugen mit Frontmotor muss der Motor nach vorne aufgefahren werden. Heckgetriebene Fahrzeuge müssen immer rückwärts auf den Anhänger gefahren werden, damit der Motor kurz vor der Achse geparkt werden kann. Dies ist auch gesetzlich vorgeschrieben. Steht das Fahrzeug falsch herum auf dem Anhänger, stimmt die Stützlast nicht, weil das Gewicht zu weit hinten sitzt und der Anhänger kann sich aufschaukeln und sehr schnell ins Trudeln kommen.
Eine Faustregel für die richtige Beladung ist, dass der Motor immer kurz vor der Achse sitzen sollte, dann stimmt in der Regel auch die Stützlast. Wenn die zulässige Stützlast erreicht ist, kann nun der Anhänger wieder angekoppelt werden. Vergessen Sie nicht das Abreißseil bei gebremsten Anhängern über die Kupplung zu hängen, denn falls sich die Kupplung löst, bremst der Anhänger ab. Auch das Beleuchtungskabel muss angeschlossen werden. Achten Sie darauf, dass das Kabel nicht bis auf den Boden durchhängt und sicher befestigt ist. Alte Anhänger haben noch einen Achtpoligen Anschluss. Für moderne Fahrzeuge gibt es einen Adapter, der zwischen Anhänger und Zugfahrzeug gekoppelt wird.


Die richtige Festigung der wertvollen Fracht

Auch beim Befestigen der Fracht gibt es ein paar wissenswerte Hinweise. Viele Anhänger haben zusätzliche Querstreben, die in Höhe der Räder eingesetzt und gesichert werden. Diese verhindern das Rollen und Verrutschen des aufgeladenen Fahrzeugs. Legen Sie beim aufgeladenen Fahrzeug immer den 1. Gang ein und ziehen Sie die Handbremse.


Die richtige Wahl der Spanngurte

Ohne Spanngurte geht es natürlich gar nicht. Auch wenn es Geld spart: verzichten Sie auf den Einsatz schmaler, billiger Gurte aus dem Baumarkt. Sie scheuern sich schnell durch und können unter Spannung auch schlagartig reißen. Diese Art von Gurten eignet sich nur für die Sicherung leichter Ladungen.

Für Fahrzeuge gibt es spezielle KFZ-Spanngurte. Diese sind wesentlich breiter und dicker. Zurr- und Spanngurte für den KFZ Transport gibt es in verschiedenen Ausführungen. Die gängigste Form ist der normale Spanngurt. Das eine Ende wird an einer Sicherungsöse des Anhängers befestigt, das andere Ende kann bei Stahlfelgen direkt in die Felge eingehängt werden. Mit der Spannvorrichtung wird nun der Gurt fest angespannt. Die vorderen Räder werden nach vorne gezogen, die hinteren Räder nach hinten verspannt. Dadurch ziehen die Gurte gegeneinander und die Kräfte sind beidseitig gut verspannt. Noch besser geht es bei offenen Aluminium Felgen. Hier kann der Spanngurt durch die Felge gezogen und jeweils an einem Haken in derselben Richtung befestigt werden. Auch Fahrzeuge mit Flügelmuttern können so über die Flügelmuttern verzurrt werden.

Es gibt aber auch Spanngurte mit einer Schlaufe. Solche Spanngurte werden hinter dem Reifen durchgeführt und die Schlaufe über den Reifen gelegt. Die Spanngurtenden werden jeweils in die gegenüberliegende Richtung befestigt. Die Schlaufe sollte so weit heruntergezogen werden, dass sie in etwa in der Höhe der Radnabe liegt. Spannt man den Gurt an, legt er sich fest um den Reifen.

Eine weitere Form des Spanngurtes ist der Gurt, der direkt auf den Reifen gelegt wird. Der Haken am einen Ende des Gurtes wird senkrecht direkt vor dem Rad eingehakt und der Gurt über den Reifen gelegt. Auf der gegenüberliegenden Seite wird der Gurt durch einen ebenfalls senkrecht angebrachten Haken durchgeführt und mit dem befestigten Spanner verbunden. Auf keinen Fall darf ein solcher Gurt schräg über den Reifen gezogen werden, sondern er muss mittig laufen.


Den Anhänger wieder in den Griff bekommen!

Die Ladung ist gesichert, die Fahrt ist angetreten. Wenn Sie das erste Mal mit einem Anhänger fahren, sollte Ihnen bewußt sein, dass sich Zugfahrzeug und Anhänger anders verhalten als Sie es vom normalen Fahren her gewöhnt sind. In Kurven müssen sie etwas ausholen, damit der Anhänger nicht über die Bordsteinkante fährt. Der Bremsweg ist wesentlich länger als ohne Anhänger. Generell gilt, dass ein feinfühliger Fahrstil mehr Sicherheit bietet. Wer zu schnell fährt erlebt wie das Hänger ins Schlingern gerät. Sind Sie in dieser prekären Lage – auf keinen Fall stark abbremsen oder hektische abrupte Lenkbewegungen machen. Drosseln Sie das Gas mit Gefühl und versuchen Sie vorsichtig gegenzulenken. Manchmal hilft auch ein kurzes Beschleunigen.
Vor solchen adrenalintreibenden Momenten schützt aber vor allem die richtige Stützlast und das Einhalten der Höchstgeschwindigkeit. Gut beladen und gesichert steht einer gelungenen Überführung nun nichts im Weg.

Anhänger und geladene Last dürfen die zulässige Zuglast nicht überschreiten.
Ein gebremster KFZ Anhänger wiegt als Aluminium Trailer etwa 450 kg bis 490 kg und hat eine erlaubte Zuladung von etwa 1500 kg bis 1700 kg. In einer robusteren Stahlausführung wiegt ein Trailer ca. 750 kg bis 790 kg und haben eine zulässige Zuladung von ungefähr 2200 kg bis 2400 kg.
Die Daten aber immer aus den dem Anhänger zugehörigen Zulassungspapieren entnehmen.
Auch das zulässige Gesamtgewicht findet sich in den Papieren.

Hier eine Liste der Anhängelasten einiger aktueller Fahrzeuge im Vergleich:

Renault Twingo 350 kg
Mini Cooper 750 kg
Volkswagen Beetle 1000 kg
BMW 125i 1200 kg
BMW 320i 1400 kg
Volkswagen Touran 1500 kg
AUDI A4 1600 kg
BMW X1 2000 kg
Volkwagen Touareg 3200 kg

Hier ist alles falsch. Der Anhänger ist zu klein, die Last zu weit vorne und die Spanngurte würden den schweren Wagen im Notfall nicht halten. So bitte nicht.


Ein richtig geladenes Gespann.


Solche Transporte sind nur etwas für Profis.


Vorbildlich geladen ist dieser Käfer.


Heckgetriebene Fahrzeuge müssen mit dem Motor in Fahrtrichtung geladen werden.


Die richtige Ladeposition für ein Fahrzeug mit Frontmotor.

Die richtige Ladeposition für ein Fahrzeug mit Heckmotor.


Das aufgeladene Fahrzeug muss gut verzurrt sein.


Die Spanngurte umfassen jedes einzelne Rad.


Bei diesem Zurgurt besteht die Gefahr, dass er abrutscht und die Ladung ungesichert ist.

So ist es Richtig, der Zurrgurt muss genau mittig über den Reifen geführt werden.

Langsam auf die Rampen auffahren. Nicht an den Rampenenden anfahren, da diese sonst herausspringen können.


Immer vor dem Losfahren das Brems-Sicherungsseil um die Kupplung legen.