Concorso D´Eleganza Villa D’Este

Ein traumhafter Park am Ufer des Comer Sees, ein beeindruckendes Grandhotel und eine Auswahl von 51 Traum-Klassikern: das ist die Mischung die den Concorso D´Eleganza an der Villa D´Este jedes Jahr für Automobil Enthusiasten aus der ganzen Welt zu einem der attraktivsten Oldtimer-Events überhaupt macht. Ein exklusives Wochenende, das vor Jahren durch die BMW Group wieder ins Leben gerufen wurde, an dem Ort, an dem die automobile Schönheitsschau 1929 stattgefunden hatte.

In diesem Jahr stand der Concorso D´Eleganza unter dem Motto „In achtzig Tagen um die Welt – Eine Reise durch Epochen voller Rekorde“, denn im Jahr 1873, in dem Jules Verne das Buch geschrieben hatte, wurde die Villa D´Este zum Grand Hotel eröffnet. Nur wenige Jahre später begann die Geschichte des Automobils und immer mehr Abenteurer umrundeten die Welt mit ihren Fahrzeugen, die sich als rollende Kunstwerke gegenseitig überboten.

Am Samstag des letzten Wochenende im Mai fand der eigentliche Höhepunkt des Wochendes statt: die Präsentation der hochklassigen Fahrzeuge im Park der Villa D´Este, wie auch schon vor 88 Jahren. Das Highlight des Concorso D´Eleganza ist die Präsentationsfahrt über die Terrasse des Grandhotels, vorbei an den Gästen, die bei Champagner die Schönheiten bestaunen.

In neun Klassen traten die Oldtimer zum Schönheitswettbewerb um den begehrten Coppa D´Oro an. Unter den aufgestellten Fahrzeugen befanden sich einige echte Raritäten. Echte Einzelstücke, wie das Astra Coupé, das 1952 von dem US Amerikanischen Custom Car Designer Jay Everett gebaut wurde. Everett war gerade einmal 24 Jahre alt, als er das Fahrzeug gestaltete. Dieses Fahrzeug ist ein absolutes Einzelstück und besticht durch eine sehr klare und fortschrittliche Formgebung für die 50er Jahre. Um die tief nach vorne verlaufende Front zu ermöglichen, wurde der Kühler für den Oldsmobile V8 in das Heck des Fahrzeugs versetzt. Aufgebaut ist das Astra Coupé auf einen Gitterrohrrahmen mit einer Aluminium Haut.

Ein weiteres Einzelstück präsentierte sich in der Klasse „Little Toys for Big Boys“ – Der Alfa Romeo Giulietta SS Prototipo. Einer der schönsten Alfa Romeos ist der Giulietta Sprint Speciale. Das Design – eine ungewöhnlich langgezogene Karosserie mit einer stark abgeschrägten Frontpartie, der niedrigen Dachlinie und dem fließend gezogenen Heck, wurde von Designer Franco Scagliones Studie zum B.A.T. Mobile adaptiert. Scaglione wirkte damals für die Karosserieschmiede Bertone und schuf den aerodynamischen Entwurf für den Giulietta Sprint Speziale Prototypen, der 1957 auf dem Turiner Automobilsalon vorgestellt wurde. Der Prototyp unterscheidet sich noch deutlich von dem späteren Serienmodellen. Die Front kippt stark nach unten, was ihm den Spitznamen „Dropnose“ eingebracht hatte. Nach der Präsentation auf dem Turiner Automobilsalon 1957 verschwand das Fahrzeug erst einmal für fast 60 Jahre.

Nun präsentiert der italienische Sammler einzigartiger Prototypen, Corrado Lopresto, diesen Prototypen von 1957 auf dem Concorso D´Eleganza 2017 und holte sich den Preis „Best of Show“, dem Jury Preis.

Den begehrten Publikumspreis „Coppa D´Oro gewann ebenfalls ein echtes Unikat, der Lurani Nibbio von 1935. Gebaut wurde dieser einsitzige Rennwagen mit gerade einmal 495 ccm von Giovanni Lurani Cernuschi VII. Graf zu Calvenzano, Rennfahrer, Sortfunktionär, Jounalist, Ingenieur, Rennstalbesitzer und Verleger, konstruierte diesen kleinen 48 PS starken Rennwagen, mit dem er fast 160 Rennen, darunter auch die Mille Miglia, mit drei Klassensiegen fuhr. Das Fahrzeug aus Luranis Eigenproduktion wurde mit einem Moto Guzzi V2 Motor ausgestattet. Der Rennbolide erreichte ein Spitzengeschwindigkeit von über 160 km/h und stellte unter anderem acht Weltrekorde auf. Den Preis wurde von Luranis Enkel Federico Göttsche Bebert entgegen genommen. Das Fahrzeug ist bereits in dritter Generation im Familienbesitz.

Die Meinung des Publikums spaltete das Maserati A6G/2000 Grand Sport Coupé mit Frua Karosserie, das vor einigen Jahren bei der Auktion der Baillon Sammlung versteigert wurde. Der „Scheunenfund“ wurde von seinem Besitzer aus den USA technisch komplett überholt, aber die Patina des Fahrzeugs so weit wie möglich erhalten. Ganz im Sinne der Originalität. Seit seiner Wiederbelebung ist der Besitzer Jonathan Segal bereits ca. 3000 Kilometer mit dem Fahrzeug gefahren. Leider wollte der Maserati gerade zur Präsentation über die Terrasse des Hotels nicht anspringen und musste an dem Publikum vorbei geschoben werden. Dennoch fand das Fahrzeug etliche Bewunderer.

Ältestes Fahrzeug im Feld war der Lancia 12 HP Tipo 51 Alfa, Baujahr 1908, aus der Kollektion des italienischen Sammlers Corrado Lopresto. Es stellt den ältesten existierenden Lancia dar. Manchmal lohnte sich gerade bei den Vorkriegsfahrzeugen auch in Blick in das Innere der Automobile. Wie zum Bespiel bei dem 1926er Rolls Royce Phantom I Brougham de Ville, in dessen Landaulet Font eine echte Überraschung schlummert. Das Interieur ist der Überlieferung nach einer Sänfte von Marie Antoinette nachempfunden. Es wirkt wie ein kleines Rokoko Zimmer. Diesen Prunk ließ sich einst Clarence Gasque, einst Finanzdirektor des Wollworth Konzerns in London für seine Frau anfertigen. Der prunkvolle Wagen trägt auch den Spitznamen „Phantom of Love“. Der Jury Preis für das schönste Interieur ging allerdings an die Besitzer des Tatra 77 C-30 von 1933.

In der Klasse „Speed Demons – Endurance Pioneers oft he Golden Age“ präsentierten sich beeindruckende Renn- und Rekordwagen. Regelrecht brachial wirkt der Bentley 4 ½ Liter mit seiner lang gezogenen Stromlinien-Karosserie, der einst von Sir Henry Ralph Stanley Birkin bei einem Rundenrekord auf dem Brooklands Rekord gesteuert wurde. Birkin errichte dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 222,03 km/h. Auch der Verbrauch erwies sich als Rekord, denn dieser lag bei fast 100 Litern auf 100 Kilometer. Im September 1921 siegte der französische Ballot 3/8 LC beim allerersten italienischen Grand Prix. Für die italienische Nation eine bittere Niederlage, hoffte man doch damals auf den erfolgreichen Sieg einer italienischen Marke. Doch auch bei den 500 Meilen Renn in Indianapolis zeigte sich der Ballot sehr erfolgreich und belegte 1920 den siebten und 1922 den dritten Rang. 1923 kam der Ballot nach England und wurde dort von Malcolm Campbell und Jack Dunfee pilotiert.

Ein Rekordfahrzeug aus einer späteren Epoche ist der Abarth 1000 Bialbero Record von 1960, mit dem im gleichen Jahr mehrere Geschwindigkeitsrekorde bei einer Rekordfahrt auf dem Monza Autodrom eingefahren wurden. Darunter auch der Rekord in der Klasse 1,1 Liter bei der 10.000 Kilometer Fahrt, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 191,376 km/h.
Pure Eleganz vermittelt das Salmson G-72 Coupé von 1951 mit einer Saotschik Karosserie. Im Gegensatz zu früheren Saotschik Karosserien ist die Salmson Karosserie eher verhalten gestaltet, aber dennoch sehr formschön und elegant. Luxuriöse Eleganz vertritt der Lagonda Rapide von 1962. Dagegen futuristisch wirkt der Fiat 8V Supersonic von 1953, mit einem Blechkleid von Ghia.

Zum 70ten Geburtstag von Ferrari durften natürlich auch die entsprechenden Exponate nicht fehlen. Darunter das Einzelstück Ferrari 250 Europa GT Speciale von 1955, mit Pinin Farina Sonderkarosserie.

Dieser Ferrari wurde genau einmal gebaut. Er besticht durch einige besondere Merkmale, wie den elliptischen Kühlereinlass mit dem kreisförmig umrahmten Ferrari-Pferd, zwei Scheinwischer an der Heckscheibe und dem ausgefallenen Armaturenbrett. Der Ferrari 250 GT California Spider zählt zu den teuersten Fahrzeugen auf dem Markt. Zum Concorso D´Eleganza 2017 brachte der US amerikanische Besitzer den Prototypen des California Spiders aus dem Jahr 1957. Laut und besonders beindruckend präsentierte sich der Ferrari 365 GTB/4 Competizione der sich in Daytona als besonders erfolgreich bewies. Ebenfalls pure Renngene besitzt der Ferrari 250 GT Berlinetta SWB Competizione von 1960, mit dem von 1961 bis 1963 die Tour de France bestritten und bei der letzten Teilnahme der vierte Platz eingefahren wurde.

Rund ein Drittel aller zugelassenen Fahrzeuge kamen in diesem Jahr aus Übersee, wie Australien, Arbentinien und den USA. Ebenfalls aus den USA kam der bei Stabilimenti Farina von Pietro FRua gezeichnete Fiat 1100 Barchetta. Dieses Fahrzeug feierte ein Jubläum, den es wurde ganu vor 70 Jahren schon einmal auf dem Concorso D´Eleganza in Jahr 1947 gezeigt. Der Fiat 1100 belegte damals den zweiten Platz. In diesem Jahr ging das Fahrzeug leider ohne eine Preis aus.

Am Sonntag ist Publikumstag und die kostbaren Karossen sind im Park der Villa Erba zu sehen. In der Rotunde stellte BMW neben einigen Luxuslimousinen aus der Historie BMWs, das neue Concept Car des BMW 8 vor.