Concorso di Motociclette

Die Bekanntgabe der Klassensieger und die Vergabe der Trofeo BMW Group bildeten heute den feierlichen Abschluss des siebten Concorso di Motociclette im norditalienischen Cernobbio. Höhepunkt des im Rahmen des Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2017 ausgetragenen Schönheitswettbewerbs für historische Motorräder war die Auszeichnung des „Best of Show“.

Die aus erfahrenen Experten der Motorrad-Historie bestehende Fachjury entschied sich für die im Jahre 1933 gebaute Puch 250 Indien-Reise aus dem Besitz des Italieners Peter Reisch. Das historische Langstrecken-Reisemotorrad verdankt seinen Namen einer spektakulären Erkundungsfahrt von Wien nach Bombay. Die Indien-Expedition erregte zur damaligen Zeit internationales Aufsehen, 84 Jahre später stand die originalgetreu erhaltene Maschine bei ihrem Ausflug an den Comer See erneut im Rampenlicht.

Die Puch 250 Indien-Reise entstammt der „Sammlung Max Reisch“. Zu ihr gehören zahlreiche weitere Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände, die von Peter Reisch zusammengetragen wurden. Der in Bozen lebende Architekt ist der Sohn des Journalisten, Schriftstellers und Wissenschaftlers Max Reisch, der mit der Puch 250 Indien-Reise eine seiner berühmtesten Langstreckenfahrten absolvierte. Noch im Entstehungsjahr des Motorrads brach der auch als „Verkehrspionier“ bekannte Max Reisch gemeinsam mit seinem Forscherkollegen und Beifahrer Herbert Tichy von Wien aus zu einer Expeditionstour auf, die das Duo über 13 000 Kilometer über den Balkan, durch die Türkei, Syrien, den Irak, Persien und Belutschistan bis ins indische Bombay führte. Seine Erlebnisse auf dieser Reise hielt Reisch in dem Buch „Indien – Lockende Ferne“ fest.

Die Puch 250 Indien-Reise fasziniert noch heute mit ihrem authentischen Erscheinungsbild. Komplett ausgerüstet mit zeitgenössischen Packtaschen, Werkzeug und Ersatzteilen erweckt das einst im österreichischen Graz gefertigte Motorrad den Eindruck, soeben einer Zeitreise entsprungen und zugleich jederzeit startbereit für neue Abenteuer zu sein. Den Antrieb dafür liefert ein 250 Kubikzentimeter großer Zweitakt-Doppelkolben-Motor. Mit sechs PS war er einst stark genug für eine Reise nach Indien – und nun dank sorgsamer Pflege auch bereit für die Siegerparade auf dem Gelände Villa Erba am Comer See.

Ein Hauch von Fernweh und Abenteuerlust umgab die Preisverleihung an den „Best of Show“, die damit auch an das Motto des diesjährigen Concorso d’Eleganza Villa d’Este – „Around the World in 80 Days – Voyage through an Era of Records“ – anknüpfen konnte. Zusätzlich kürte die Jury am heutigen Sonntag auch die Sieger der fünf Wertungsklassen. Ein weiterer Ehrenpreis ging an die Designstudie Ducati Café Racer. Das klar und puristisch gezeichnete Motorrad aus dem italienischen Centro Stile Ducati, das in der Wertungsklasse Concept Bikes und Prototypen am Wettbewerb teilnahm, wurde vom Publikum auf dem Gelände der Villa Erba zum Favoriten gewählt.

Der Concorso di Motociclette gehört seit 2011 zum Programm des weltweit exklusivsten und traditionsreichsten Schönheitswettbewerbs für historische Fahrzeuge. Bei der siebten Auflage wurden 41 Fahrzeuge in fünf Wertungs- und einer Sonderklasse präsentiert. Einmal mehr gerieten bei der Rückschau in die Historie der motorisierten Zweiräder neben populären Klassikern auch zahlreiche exotische, oftmals nur Kennern geläufige Raritäten ins Blickfeld des Publikums. Zu den besonders stimmungsvollen Programmpunkten zählte auch in diesem Jahr der Street Run, bei dem die historischen Motorräder am Samstag den Weg vom Park der Villa Erba über die Straßen von Cernobbio zum Grand Hotel Villa d’Este antraten, um sich dort der Jury zu präsentieren. Eine Sonderschau war italienischen Motorrädern mit 50-Kubikzentimeter-Motoren gewidmet. Mit ihnen sammelten in den 1960er- und 1970er-Jahren zahlreiche Jugendliche erste und oftmals prägende Erfahrungen beim Drehen am Gasgriff. Darüber hinaus wurden im Rahmen des diesjährigen Concorso di Motociclette erstmals auch Designstudien und Prototypen auf zwei Rädern gezeigt.

Nachfolgend die Auflistung aller Sieger des Concorso di Motociclette 2017 jeweils einschließlich Baujahr und Besitzer:

Trofeo BMW Group – Best of Show by the Jury Puch 250 Indien-Reise, 1933, Peter Reisch (IT)

Trofeo Villa Erba – Best of Show by Public Referendum Ducati Café Racer, 2017, Centro Stile Ducati (IT)

Class Winners by the Jury

CLASS A:
DREAMS & ADVENTURES –
MOTORCYCLES OF THE 1920S AND 1930S FOR THE GREAT JOURNEY Gillet Tour du Monde, 1926, Musée Auto Moto Vélo Châtellerault (FR)

CLASS B:
THE ALTERNATIVES –
1950S SCOOTERS THAT DID NOT COME FROM THE MARKET LEADERS Bastert Einspurauto, 1952, Museo Scooter & Lambretta (IT)
CLASS C:
THE ORIGINALS – 1960S STREET SCRAMBLERS FROM JAPAN Yamaha YM2C, 1967, Peter Abelmann (DE)

CLASS D:
FRAMED IN EUROPE – 1970S JAPANESE FOURS IN NEW CLOTHES Bimota Honda HB1, 1975, Collezione Zappieri (IT)

CLASS E:
MOTORCYCLE DESIGN – NEW CONCEPT BIKES AND PROTOTYPES Ducati Café Racer, 2017, Centro Stile Ducati (IT)