Karosseriebau erlebt seinen Aufschwung – Teil 1: Zagato

In den frühen Jahren des Automobilbaus war es üblich, sein Fahrzeug mit einer maßgeschneiderten Karosserie zu bestellen. Es entstanden künstlerische Meisterwerke in Form und Design. Namen wie Mulliner, Figoniund Falaschi, Saouchik oder Graber, um nur ein paar wenige zu nennen, standen fortan für Individualität, denn wer ein einzigartiges Fahrzeug haben wollte, ließ sich sein automobiles Blechkleid maßgeschneidert anfertigen. Doch mit der Massen-Anfertigung und Fließbandarbeit starb diese Tradition aus und auf den Straßen waren ab den 70er Jahren fast nur noch einheitliche Modelle einer Marke zusehen. Seit einigen Jahren kommt aber die individuelle Anfertigung eines limitierten einzigartigen Designs für das Fahrzeug seiner Wahl wieder in Mode. Wir meinen dabei nicht die unzähligen Betriebe, die mit um- und angebauten Teilen Fahrzeuge trimmen oder tunen, sondern jene Unternehmen, die über das Design bis zur ganzen Karosserie dem Fahrzeug ein völlig neues Aussehen verpassen. In dieser Serie möchten wir einige Karossiers und Designunternehmen, die sich der individuellen Gestaltung eines Serienfahrzeugs widmen, vorstellen.

Evolution der Zagato Maserati Designs

 

Eines dieser Unternehmen, dass besonders in den letzten Jahren wieder sehr aktiv ist und auf eine sehr reiche Historie zurückblicken kann, ist Zagato. Das in Mailand ansässige Unternehmen wurde 1919 von Ugo Zagato geründet und ist heute einer der ältesten Karosserie Design Firmen in Italien. Heute wird das Unternehmen in dritter Generation von Andrea Zagato und seiner Frau Marella Rivolta-Zagato geführt.
In den Anfängen stellte Zagato vor allem Karosserien für die Leichtbauweise und Aerodynamik her und konnte sich damit ganz oben im Rennsport etablieren. Zu den Kunden gehörten vor allem die italienischen Marken Fiat, Alfa-Romeo und Lancia. Nach dem zweiten Weltkrieg bestimmten vor allem die Grand-Tourismo Fahrzeuge mit Zagato Sonderkarosserien die Produktion. Zu den Kunden gehörten fortan auch Ferrari, Maserati und auch britische Firmen wie Aston Martin. Typisch für die Zagato Fahrzeuge ist die doppelte Dachwölbung (auch als Double-Bubble bezeichnet).

MODERNE IKONE AUTO COLLECTIBLES

2006 trat der japanische Automobil Sammler Yoshiyuki Hayashi an Zagato heran und bestellte eine Sonderkarosserie für den Ferrari 575 GT, der sich an den 1956 gebauten Ferrari 275 GTZ anlehnen sollte. Wegen des damals anstehenden Jubiläums wendete sich Zagato an Ferrari und schlug vor, gleich einige dieser Sondermodelle zu bauen. Ferrari stimmte zu und so wurde eine Kleinstserie des Ferrari 575 GTZ gebaut.

 


Im Jahr 2010 hatten Andrea und Marella Zagato für das Jubiläum 100 Jahre Alfa Romeo den Alfa Romeo TZ3 Corsa (Einzelstück) und limitierte neun TZ3 Stradale produziert.
Das Design an historische Vorbilder anzulehnen ist momentan als Trend zu erkennen. Das Design steht immer mehr vor der eigentlichen Marke und wird zur Ikone, besonders im Bereich der Sammlerfahrzeuge, wie zum Beispiel beim Maserati Birdcage, Mostro, dem Ferrari GTO oder dem Alfa Romeo 8C. Aber auch die Fahrzeuge in der Großserienproduktion sind von diesem Trend betroffen, so zum Beispiel der neue Renault R4, der Fiat 500, VW Beetle, Ford Mustang, GM Corvette und Porsche 911, um nur ein paar wenige zu nennen.

Der vom aerodynamik-Spezialisten Frank Costin für die 24Stunden von Le Mans entworfene Maserati 450 S Coupé „Mostro“ (Monster) ist einer der kultigsten Rennwagen in der Geschichte Maseratis. Stirling Moss hatte diese Fahrzeug kurz vor dem Rennen bei Zagato bestellt.
Zum 100 jährigen Jubiläum von Maserati hat Zagato eine Hommage an diesen legendären Sportwagen von Design Chef Norihiko Harada entwerfen lassen.

Die Produktion wurde auf nur fünf Exemplare reduziert und war noch vor der Fertigstellung an verschiedene Sammler verkauft.