Retromobile Paris – Shoppen & Träumen

Shopping in Paris, davon träumt jede Frau. Shopping in Paris für den Mann … ja das geht auch. Seit vielen Jahren bietet die Rétromobile, eine der ältesten Oldtimermessen Europas, für den Oldtimer-Liebhaber alle Möglichkeiten zum Bummeln, Begutachten, Träumen und wenn das nötige Kleingeld stimmt – zum Shoppen.
Rund 120.000 Besucher strömten in fünf Tagen auf die Rétromobile. In zwei großen Hallen präsentierten Händler, Clubs und Hersteller ihre Ausstellungen. Darunter wahre Raritäten von Ferrari, Porsche oder Bugatti. Die Rétromobile steht aber vor allem für ihre zahlreichen Sonderschauen. Von der Dampfmaschine über die Urahnen der Automobilgeschichte bis hin zu seltenen Prototypen ist ein unterhaltsames Programm geboten.

Bereits am Anfang der großen Fahrzeughalle präsentierte das Beaulieu Museum Unikate aus der Zeit, als Rekordversuche an der automobilen Tagesordnung standen. Darunter ein leistungsstarker Darracq mit V8 Motor aus dem Jahr 1905, eine Napier von 1903 und gleich daneben der Fiat S76 Baujahr 1911, der auch als das „Monster von Turin“ bekannt ist. Mit nur vier Zylindern weist er einen Hubraum von 30 Litern auf und erreicht eine Gesamtleistung von 300 PS. Auf mehreren Demonstrationsfahrten machte der Bolide seinem Namen Ehre – auch wenn er nicht seine erreichbaren 200km/h fahren konnte. Schön für die Besucher: eine Testfahrt auf einem der über 100 Jahre alten Fahrzeuge. Sicherlich ein Erlebnis der besonderen Art, denn die im Französischen genannten Teuf-Teufs (Bronzefahrzeuge) sind sehr ursprünglich in ihrer Funktionsweise.
Seit 2012 engagiert sich Julia de Baldanza im Oldtimer-Rennsport. Ihre Erfolge sind beachtlich und bei Rennen in Goodwood, LeMans Historic, Monaco Historic Grand Prix oder der Shell Ferrari Historic Challenge findet man ihren Namen meist unter den ersten drei Klassensiegern. In einer Sonderschau namens „Une Femme, Une“Collection“ (Eine Frau, eine Sammlung) wurden einige ihrer Fahrzeuge gezeigt. Darunter das Frazer Nash Le Mans Coupé (einst im Besitz von Kitty Maurice), ein Mclaren M3A und ein Maserati A6GCM. Aber auch Sammlerfahrzeuge wie ein früher von Elisabeth Junek gefahrener Bugatti 35B und der Voisin C14 Chartre gehören mit zur Kollektion. Erst kürzlich erwarb Baldanza einen der wenigen Volkswagen XL1.
Im Vorkriegsbereich fiel uns ein seltener Ballot 2LS Baujahr 1921 auf. Eine Sonderschau zum Schmunzeln waren die teilweise über 50 Jahre alten Modellstudien des „Zukunftsfahrzeugs“ aus den 1960er Jahren. An ein real gewordenes Mobil aus der Zeichentrick Serie die Jetsons erinnert die romboide Kugel mit trapezförmig angeordneten Rädern von Jean Pierre Ponthieu, entworfen 1968. Zwei der Fahrzeuge entstammen der Feder von Philippe Charbonneaux, einem französischen Designer der unter anderem einige Delahayes, den Renault R8, die Dauphine und den Renault 16 entworfen hatte. Zahlreiche seiner Studien waren dieses Jahr auf der Retromobile zu sehen. So der Delahaye 235, eine Charbonneaux Promotion „Ente“, aufgebaut auf einem Citroen 2CV, eine Renault R16 Variante mit Stufenheck oder aber auch der Veranstaltungsbus „Pathé-Marconi“. 70 Jahre alt ist mittlerweile der Wimille, den Charbonneaux einem befreundeten Rennfahrer baute. Er sollte optimale Aerodynamik entwickeln. Fast schon an einen Pegaso erinnert die Front des von ihm entworfenen Salmson. Ein sehr gelungenes Konzeptfahrzeug war in dieser Gesamt-Ausstellung über Zukunftsvisionen der von Pininfarina entworfene PFX von 1960, mit dem Stromlinienkorpus und zwei weit hochgezogenen Heckflossen.
Ein kurzer Blick zurück auf die Rétromobile 2015. Damals versteigerte Artcurial die Sammlung von Ballion. Eines der Fahrzeuge, ein Talbot Lago T26 Record Coupé, war in diesem Jahr im Restaurationszustand auf der Messe zu bestaunen. Gleich daneben ein Zeuge der französischen Karosseriekunst, das Blechkleid eines eleganten Bugatti im Rohzustand.
Zu Frankreich und Rennsport gehört Le Mans. Rennsportfahrzeuge waren auf der Rétromobile an fast jeder Ecke zu sehen. Ganz besondere Exemplare der Le Mans Historie stellte der Automobile Club de l´Ouest (Automobilclub des Westens) aus, beginnend mit einem frühen Chenard & Walker Rennwagen von 1925. Dahinter ein Ferrari. Sehr dynamisch wirkte der offene Deutsch Bonnet. Die meiste Aufmerksamkeit allerdings erhielt der Prototyp des Ferrari Dino. Da ging der dahinter stehende Porsche 907 Carrera fast unter.
Und nochmals Rennfahrzeuge – Denn auch Renault präsentierte einige Exemplare aus der französischen Renngeschichte, angefangen bei dem monströsen Renault 40CV oder dem frühen Rallye Monte Carlo Fahrzeug. Pulikumsmagnet waren natürlich der Rekordwagen und die zahlreichen Alpine Versionen, angefangen bei dem Renault 4CV R1063.
Bei den Markenpräsentationen nahmen die französischen Marken den großen Teil ein. Peugeot feierte man den 50. Geburtstag des 204. Citroen zeigte einen Citroen Traction Avant 11B und die Evolution des Mehari bis zum aktuellen Prototypen. Auch die internationalen Hersteller zeigten Flagge. Zum 50. Geburtstag des S800 stellte Honda eines der bei uns sehr seltenen Fahrzeuge aus. Mercedes-Benz hatte einige Klassiker am Stand und Porsche zeigte eine große Palette aus ihrer Geschichte.
Wer keinen Oldtimer gekauft hatte und dennoch ein kleines Andenken oder ein Ersatzteil mitnehmen wollte, war in der Halle für Ersatzteile, Bücher oder Modellfahrzeuge gut aufgehoben. Zahlreiche Händler hatten was das Herz begehrt. Von der Fachliteratur, über Kühlerfiguren bis hin zu fein gearbeiteten Dioramen.