Urban Art

München verbinden die meisten Besucher mit dem Oktoberfest, der Alpennähe und dem FC Bayern. Nur wenige wissen aber, dass München in der Szene der Grafitti Kunst eine bedeutende Rolle spielte, denn die moderne Form der europäischen Graffiti Kunst hatte in München ihren Ursprung. Derzeit findet (bis Anfang September) die atemberaubend schöne Schau „Magic City“ über diese Kunstrichtung statt, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten.

Schon in den 70er Jahren begann „Heiduk“ im Schlachhofviertel die Wände mit caligrafischen Zeichen zu versehen. Mit den Einzug der Hip Hop Ära kamn ab 1983 auch neue Grafitti Künstler hinzu. Namen wie Zar, Buttler, Roy Don M. Zaza tuachten in der Grafitti Szene auf. 1985 wurde der erste gesamte S-Bahn Zug der Geltendorf Linie besprüht. Das Kunstwerk war ganze 54 Meter lang. Damals hatten die Münchener Verkehrsbetriebe sogar eine eigene Arbeitsgemeinschaft zur Jagd auf Sprayer gegründet. Denn obwohl Grafitti im kulturellen Sinne als Kunst betrachtet wird, wertet die Polizei die wild angebrachten Wandgemälde aus der Sprühdose noch immer als Straftat.
Bis heute gibt es in München eine sehr aktive Grafitti Szene. An manchen Stellen, wie unter der Donnersberger- oder Brudermühl-Brücke und in der Tumblinger Straße, der wohl buntesten Straße Münchens – wechseln die Kunstwerke beinahe wöchentlich. Die Stadt München hatte schon früh auf die Grafitti Kunst reagiert und investierte sogar, um den Grafitti Sprühern die Möglichkeit zu geben, an ausgewählten Häuserwänden oder Mauern ihre Kunstwerke zu verewigen.
München ist nun auch der Schauplatz der Ausstellung Magic City, die sich der Geschichte der Streetart widmet. Viele der einst von der Justiz verfolgten Street Artists sind heute international gefeierte Künstler. In der kleinen Olympiahalle erfährt der Besucher die Hintergründe einer ganzen Bewegung, die ursprünglich in New York in den 70er Jahren begonnen hatte. Über fünfzig Streetart Künstler aus unterschiedlichen Ländern haben für diese Ausstellung ihre ganz eigenen Kunstwerke geschaffen, um eine kleine Urban Art Welt zu schaffen. Künstler wie ROA, Dan Witz, Tristan Eaton, Marta Cooper, Ron English, DAZE, Loomit oder Olek haben eigene Werke für diese Ausstellung geschaffen und jedes der Werke vertritt eine internationale Stadt, von New York, Lissabon über Tokio und Berlin. In München und Umgebung ansässige Künstler schaffen sogar noch während der Ausstellung ihre Werke. Eine Reise durch die Historie und die unterschiedlichsten Stilrichtungen der Streetart Szene.
Ein wahrer Künstler der Anamorphen Grafitti Kunst ist der aus Turin stammende Truly. Er zaubert revolutionäre optische Illusionen die sich zu visionären dreidimensionalen Bildern verwandeln und sich komplett mit der Umgebung oder Architektur verschmelzen. So auch Qi Xinghua, Chinas erster 3D Künstler, der in seine Werke die tiefgründige chinesische Kultur und Ästetik wiederspeigelt.
Geometrische Formen und perspektivische Verwirrung ist das Werk von Odeith aus Lissabon. Er arbeitet am liebsten in Ecken von Bahnhöfen oder Gebäuden und schafft echte optische Illusionen in knallbunten Farben. Für die Ausstellung hat er seinen Namen in Kalligraphischen Lettern dazu gebracht, im Raum zu schweben.

Echte dreidimensionale Kunst kreiert der portugiesische Künstler Bordalo II, der aus alten Materialien Kunstwerke schafft, die eine Kritik gegen den Konsumwahn, Habgier und Materialismus darstellt. Für die Ausstellung hat Bordalo II ein graugesichtiges Rüsselhündchen aus Abfall gestaltet und damit eine Kritik am Aussterben dieser bedrohten Tierart. Das Werk stammt aus der Big-Trash-Animals Serie, mit der er auf die ansteigenden Müllprobleme und der daraus resultierende Bedrohung für die Tierwelt hinweist. Einem Tier das ebenfalls im Müll haust und zu jeder Großstadt dazu gehört, portraitiert der britische anonyme Künstler Banksy. Die Ratte ist ein zentrales Objekt in seinen Werken und er stellt sie niemals als Verlierer, sondern eher als starke Gewinner dar.
Hinter dem Pseudonym Herakut verstecken sich die Berliner Künstler Hera und Akut, die sich mit Ihrer Kunst das Ziel gesetzt haben, vernachlässigte Kommunen zu verschönern, Kinder mit einzubeziehen und ihr Talent in den Dienst humanitärer Projekte zu stellen. Sie portraitierten für die Ausstellung den Künstler Ernest Zacharevic aus Litauen, der ebenfalls für die Ausstellung eine Grafitti Installation geschaffen hatte. Ein Mobile mit Teilen, die er in Dresden gefunden hatte, wie Fahrradteile, Kupferrohre oder ein Feuerlöscher, die er zu einem Spielplatz für die Besucher arrangiert hat.
Die Ausstellung findet noch bis zum 3. September in der Kleinen Olympiahalle in München statt. Weitere Infos unter: https://www.magiccity.art/