Rétromobile Teil 2

Die Retromobile in Paris eröffnete zum 41ten mal die europäische Oldtimersaison und die ganze Welt kam. Auch im Pariser Straßenbild sind die ersten Klassiker unterwegs, während die großen Raritäten in der Halle 1 und 2 der Messe am Port de Versaille zur Schau gestellt werden. Ca. 120.000 Besucher schoben sich während der Messetage durch die Gänge – vorbei an Händlern, Ersatzteilen, Automobiler Kunst und Literatur. Noch vor wenigen Jahren galt die Retromobile eher als Messe für französische Brot und Butter Autos. Zu sehen gab es dementsprechend Clubs großer französischer Marken und Karrossiers und einen darauf ausgerichteten Teilemarkt. In den letzen Jahren veränderte sich der Schwerpunkt. Die Messe wurde internationaler und die Präsentationen hochwertiger. Zahlreiche liebevoll zusammengestellte Sonderschauen begeistern auch in diesem Jahr die Besucher. Und nicht zuletzt stieg die Qualität der gehandelten Klassiker. Nie zuvor waren auf einer Messe so viele hochwertige Ferraris und Rennfahrzeuge unterschiedlichster Marken zu sehen, wie in diesem Jahr auf der Retromobile. Aber es lässt sich auch ein klarer Trend erkennen: sportliche Oldtimer sind gefragt. Wenn überhaupt eine Limousine zu sehen war, dann bitte doch mit viel PS unter der Haube.

Dieser Trend spiegelt sich auch bei den Auktionshäusern wieder. Zwar waren bei Artcurial schon die eine oder andere Limousine zu finden, aber alle trugen ein sportliches oder luxuriöses Gen: Facel Vega, Ford Komet oder sportliche Varianten von Delahaye aus den 50er Jahren. Vorkriegsmodelle blieben fast unbeachtet, außer die Kühlermaske zierte das Emblem von Bugatti oder Aston Martin.
Den Besuchern gefällt diese Entwicklung. Ehrfürchtig, mit glänzenden Augen, stehen sie vor den Boliden und staunen über die Schönheit legendären Sportwagen, die man nur aus Coffetable-Books kennt. Kinderträume erwachen.
Auch die internationalen Sammler-Elite ist auf der Retromobile anzutreffen. Paris ist in diesen Tagen „The Place to be“. Hier wird gehandelt und gekauft, und zwar im großen Stil. Die Preise erschrecken zum Teil selbst Branchen-Insider und man fragt sich, ob die aufgerufenen Preise wohl das Trendbarometer für 2016 sind.

 

 

Die Stände der Händler boten einige wirkliche Raritäten. Natürlich darf auf einer Messe der Grand Nation eine Rennlegende der französischen Automobilhistorie nicht fehlen: die mit Tricolore schmückte gar einen Ferrari 275 GTB/2, oder der Porsche 356 GTL Abarth von 1962 am Stand von Fiskens. Dort waren auch der Bizarrini Competition oder das formschöne Alfa Romeo Competizione Coupe und das Alfa Romeo Tipo 33 Daytona Coupe zu bestaunen. Der Markt spricht eine deutliche Sprache, gekauft wird was schnell ist. Direkt daneben glänzte der Eskuderia Montjuich Ferrari 512 M, in einem sehr ursprünglichen Zustand. Begriffe wie Originalität und Patina waren in diesem Jahr mehr zu hören, als in den Jahren zuvor und immer mehr Anbieter zeigten entsprechende Fahrzeuge auf ihrem Stand. So zum Beispiel einen BMW 700 RS mit Zweizylinder Boxermotor, der Vorkriegs Aston Martin Roadster, einem Mercedes Benz 28/95 Phaeton von 1914 mit Holzkarosserie, der Porsche 904 am Stand von Axel Schütte oder der sehr originale Mercedes Benz 300SL bei Movendi.
HK Engineering präsentierte auf dem Stand einen wunderbar schwarzen Flügeltürer aus New Yorker Vorbesitz mit Patina. Gleich daneben der Prototyp des Mercedes Benz 300SL Roadsters von 1955. Nur fünf der Vorserien Prototypen wurden gebaut und sie unterschieden sich deutlich von den Serienfahrzeugen. Alle wurden in dieser hellblauen Metallic Farbe lackiert.

Ein Gang über die Retromobile bringt immer wieder neue Überraschungen. Die Ausstellung zum 110 Geburtstag des ACO über die Historie von LeMans Fahrzeugen gehörte dazu. Dort zu sehen war ein seltener Deutsch Bonnet, der Ferrari Dino Berlinetta Prototyp oder ein massiv wirkender Chenard & Walker von 1925.

Ein Highlight der diesjährigen Retromobile war sicherlich die Auktion von Artcurial, bei der der Ferrari 335 S Werksrennwagen zum unfassbaren Rekordpreis von 32,075 Millionen Euro versteigert wurde. Er stellte natürlich einige anderen Highlights in den Schatten. So stand bei Artcurial auch der Facel Vegas Prototype „V“ von 1954 zur Ersteigerung. Diese formschöne Ikone französischer Automobilkunst erzielte immerhin knapp über 500.000 Euro. Einen Rekordpreis erzielte auch der Ferrari Testarossa Spider Valeo von 1986. Für ihn wurden 1,02 Millionen Euro geboten. Auch bei Artcurial ist eine deutliche Tendenz zu sportlichen Fahrzeugen zu erkennen. Vorkriegsfahrzeuge sind nur noch am Rand zu finden. Während viele Fahrzeuge weit hinter dem Estimate-Preis bleiben und zum Teil nicht verkauft wurden, wie auch bei den Auktionen von Bonhams im Grand Palais oder RM Sotherbys an den Champs D´Elysee, legten verblüffender Weise die stark restaurationsbedürftigen Originalfahrzeuge sehr zu. Der Alfa Romeo Giulia Sprint GTA mit deutlichen Unfallspuren von 1955 erzielte über das Doppelte des Schätzpreises und brachte einen Verkaufspreis von über 440 Tausend Euro. Dies war ebenfalls ein Rekordverkauf, den Artcurial sogar als Weltrekord bezifferte. Für den Alfa Romeo Giulietta Sprint wurden über 45.000 Euro geboten und für den Lancia Flaminia Sport mit Zagato Karosserie wurden sogar 175.000 Euro geboten, aber der Verkäufer zog den Verkauf zurück, da ihm der Pries nicht genügte. Ein 1958 Fiat Abarth 750 GT Zagato Scheunenfund erzielte knappe 47.000 Euro.

Auch Liebhaber automobiler Kunst kamen bei der Retromobile nicht zu kurz. In zwei Gängen präsentieren zahlreiche Künstler und Galerien kunstvolle Fotografien, Skulpturen, Lithografien und Grafiken mit dem Schwerpunkt klassiche Automobile. Und wer selbst hier nicht fündig wird konnte sich an einen kleinen Oldie von einem der Stände mit Miniaturmodellen nachhause nehmen.

Fazit: Die Retromobile eröffnete die Saison mit einem Paukenschlag.