SEMA Las Vegas

Was bei uns nicht wirklich die Massen beschäftigt bringt den Puls amerikanische Autofans auf Touren. “Darf’s ein bisschen mehr sein?” lautet die Frage nach Styling, Funktion, Komfort und Sicherheit. Fazit: Tuning ist in. Im Las Vegas Convention Center drehte sich alles um Superlative während der diesjährigen SEMA (Specialty Equipment Market Association) Show. Die SEMA repräsentiert den 33,4 Milliarden Dollar großen Markt der Automobilzulieferer, der im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit der Lust am Auto zu bauen und zu schrauben jährlich wächst. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist das Tunen am eigenen Fahrzeug eine Leidenschaft, die Millionenumsätze in die Kassen der Hersteller schwappt. Der Grund dafür: eine technische Überwachung oder vorgeschriebene Abnahmevorschriften für Fahrzeuge gibt es nicht. Erlaubt ist, was gefällt.

Natürlich werden viele auf Maximum gepimpte Neuwagen präsentiert. Dazwischen finden sich die traditionellen Muscle Cars und irgendwo dazwischen, die Mixtur aus beidem. Performance ist gefragt – unter der Haube und drum herum, im Innenraum, beim Soundsystem, den Reifen und und und …

Neben Automobilen, die einfach Hingucker sind (auch wenn man vielleicht aus Originalitätsgründen den eigenen Wagen nicht tunen möchte) fällt die große Handwerkskunst der Amerikaner auf. Personalisieren ist ein großes Thema – auch bei Alltagsautos. Wer interessiert ist, nimmt an einem der fast 50 Vorträge und Diskussionsrunden im Rahmen der ‚Vehicle technology Sessions‘ teil. Das sind die Fortbildungsprogramme, die den Ausbau der in den USA starken Aftermarket-Automotive-Industrie beschleunigen und die “Do It Yourself”-Liebhaber unterstützen.

Auf der SEMA trifft man das Who is Who der Szene, so zum Beispiel Ryan Friedlingshaus (West Coast Customs), Richard Rawlings (Gas Monkey Garage), Richard Petty (Petty´s Garage) und auch den Customizing Legende John D´Agostino von Celebrity Customs, der seit den frühen 70er Jahren seine Kunstwerke auf Automobil Shows zeigt.

Klassische Fahrzeuge finden auch beim Customizing wieder mehr Aufmerksamkeit, auch durch die unzähligen US-TV Shows wie zum Beispiel „Fast ´n Loud“, „Overhauling“ oder auch „Graveyard Cars“, die ihren überarbeteten Plymouth Roadrunner auf der SEMA präsentierten. Unzählige Umbauten klassischer Modelle zeugen auch auf der SEMA von diesem Trend. Manchen protzigen Musclecars sieht man ihre Kraft nicht einmal an, wie zum Beispiel dem olivgrünen Rolls Royce Silver Shadow mit einem V8 Chevrolet Motor mit Turbolader.

Der Tuningwahn macht vor nichts Halt. Am Stand von Covercraft zu sehen: Ein Chevy Truck aus dn 50er Jahren mit einem eingebauten Flugzeug Sternmotor. Ein modifizierter Lincoln Continental mit vergoldeten Zierelementen oder ein amerikanischer Schulbus als Low-Rider mit entsprechendem Motor Tuning. Der Phantasie sind in Las Vegas keine Grenzen gesetzt.
Auch in diesem Jahr machten die Tuner vor legendären Autoklassikern aus Deutschland nicht Halt. Beliebte Objekte waren Volkswagen Bugs und Bullis als Low-Rider. Im Freigelände war der Porsche 356 zu bestaunen, der im Heck das Aggregat eines modernen Porsche Cayman trägt. Ein roter Volkswagen Polo mit einem Achtzylinder Big Block unter der Motorhaube und natürlich entsprechendem Fahrwerk-Tuning, Käfer Low-Rider bis hin zum modernen Audi Electric Biturbo.Porsche Experte Magnus Walker lies in Deutschland extra einen 278 PS starken 2,5 Liter Motor für seinen 1967 Porsche 911 ST bauen, den er auf der Messe zeigte.

Natürlich macht es Spaß die aufgebrezelten Fahrzeuge mit PS und Chrom-Extras zu bestaunen, das Gros der Besucher will allerdings neue Produkte sehen. Da geht es ums Detail. Kleinunternehmer, die sich aufs Tunen spezialisiert haben, suchen für Ihre Kunden den Kick, der alte Autos noch ein bisschen schicker macht.