60 Jahre DKW Monza Rekord

Können Sie sich vorstellen, dass ein Traum, den man seit Kindertagen hegt, auf einmal in Erfüllung geht? Ein Auto, das einst unerreichbar schien wirklich in der eigenen Garage steht. Für Philipp Blonck aus München ist er wahr geworden. Beharrlichkeit und ein Quäntchen Glück hatten ihm dabei geholfen, dass er heute einen DKW Monza sein Eigen nennen darf.

Nach einigen Rennerfolgen der DKW 3=6 Sonderklasse bei europäischen Touring Rennen und Straßenrallyes entschieden sich die beiden Rennfahrer Günther Ahrens und Albrecht W. Mantzel zum Bau eines extrem leichten Kunststoff-Aufbaus auf dem Chassis eines DKW F93. Die ersten Fahrzeug-Aufbauten, wie der Rekordwagen wurden bei Dannenhauer & Strauss gefertigt. Bei dem hier gezeigten Fahrzeug handelt es sich um die Nummer sechs der acht gebauten Prototypen mit der Fahrgestellnummer 68513XXX. Erkennbar sind sie äußerlich an den eckigen Fensterrahmen der Seitenfenster entlang der A-Säule, der großen Motorhaube und einem flacheren Lufteinlass an der Front. Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind die versenkten Sicken an der B-Säule. Eine nicht sichtbare Veränderung ist der größere Tank, der nur in dem Rekordwagen verbaut wurde. Für den Monza Rekordwagen wurde extra ein Kraftstofftank mit etwa doppeltem Fassungsvermögen angefertigt und so platziert, dass der Schwerpunkt optimiert werden konnte.

Die anfänglich noch DKW „Solitude“ benannten Sportwagen erhielten erst später, nachdem sie etlichen Rekordsiegen auf der italienischen Rennstrecke in Monza verbuchen konnten, ihren heutigen Namen DKW Monza. Während einer 72-stündigen Fahrt auf der Rennstrecke in Monza stellten die Rennfahrer Günther Ahrens, Heinz Meier, Roberto Barbay und Georg Theiler fünf Weltrekorde in der Klasse G8 (Fahrzeuge bis 1000ccm) auf. Im Einzelnen waren dies: ein Rekord über die 4000 Meilen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 140,839 km/h, 48 Stunden mit 140,961 km/h, 5000 Meilen mit 138,656 km/h, 10 000 Kilometer mit 139,453 km/h und die 72 Stunden mit einem Durchschnitt von 139,459 km/h. Diese 72-stündige Vollgasfahrt brachte dem DKW Monza den endgültigen Ruhm.
Spricht man heute von einem Rennwagen, stellen sich die meisten Menschen einen sportlich aus dem Stand sprintenden Boliden vor. Das ist der DKW Monza nicht – auch wenn er so aussieht. Er ist ein Langstreckenrennwagen, der einige Zeit an Anlauf braucht. Ist er erst einmal in Fahrt, erreicht er mit seinem 40 PS starken 3-Zylinder Zweitaktmotor und einem Hubraum von 903 ccm eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 140 km/h.
Die leichte stromlinienbegünstigte Glasfaser Coupé Karosserie sorgt für einen geringen Luftwiderstand und das geringe Gewicht von 733 kg.
Nach den Rennsiegen 1956 wurde der Rekordwagen in die USA gebracht. Dort fuhr er noch bis 1960 einige Renneinsätze und verschwand dann erst einmal von der Bildfläche. Man wusste, dass dieses Fahrzeug in den USA verbleiben war und so suchte ein erfahrener Oldtimer Händler aus Wien nach etwa 50 Jahren nach diesem ganz speziellen Rekordwagen und fand ihn in einem Schuppen in Connecticut. Die traurigen Überreste des Fahrzeugs wurden wieder nach Europa gebracht und sollten mit dem nötigen Knowhow wieder in den Originalzustand zurückversetzt werden. Dies war Phillip Blonck extrem wichtig, denn dieser Zeuge automobiler Zeitgeschichte sollte so authentisch wie möglich bleiben.