Hollywood am See

Man nehme einen traumhaften Park, ein beeindruckendes Grand Hotel und 51 außergewöhnliche Klassiker der Automobilgeschichte – das ist der Concorso d’Eleganza vor der Kulisse des glitzernden Comer Sees. Es ist diese Mischung, die den Concorso D´Eleganza jedes Jahr für Automobil Enthusiasten aus der ganzen Welt zu einem der attraktivsten Oldtimer Events überhaupt macht. Ein exklusives Wochenende, das vor Jahren durch die BMW Group wieder ins Leben gerufen wurde. Denn bereits 1929 fand genau hier, am Comer See der allererste automobile Schönheitswettbewerb statt.

Im Jahr 2018 stand der Concorso D´Eleganza unter dem Motto „Hollywood on the Lake“ – Auch wenn nur wenige Fahrzeuge wirklich eine cineastische Historie hatten. Doch die edlen Karossen und die filmreife Atmosphäre ließen dies schnell vergessen. Denn jedes, der in dem Park der Villa D´Este ausgestellten Fahrzeuge, könnte einen eigenen Film Plot erzählen – dies ist ein Kriterium, das die Bewertung des Fahrzeugs durch die Fach-Jury beeinflusst.

Der begehrte Preis „Best of Show by Jury“ ging in diesem Jahr an den nur vier Mal gebauten Ferrari 335 Sport. Sogar der eingefleischte Ferrari-Kenner könnte nach oberflächlicher Betrachtung diesen Spider von Scaglietti als Testa Rossa identifizieren. Doch der Ferrari 335 dürfte die Krönung aller Rennsportfahrzeuge mit Frontmotor darstellen. Immerhin leistet sein Vierliter V12 Motor ganze 430 PS und brachte den Ferrari damit auf ganze 300 km/h.

Echte Renngene besitzt auch der Jaguar XK 120 Competition Type, kurz auch Jaguar C-Type genannt.
Er ist der offizeille Vorgänger des D-Types. Der weiße Jaguar wurde vom US amerikanischen Rennfahrer Masten Gregory in den Anfängen seiner Laufbahn gefahren.

Nur 39mal wurde der Ferrari 250 GTO gebaut. Er gilt als wertvollstes Automobil der Welt, gilt aber zugleich auch unter Kennern als erfolgreichstes und schönstes Rennfahrzeug aller Zeiten. Die auffällige blau gelbe Lackierung des Fahrzeugs wurde von dem schwedischen Rennfahrer Ulf Norinder bestellt, denn er wollte nach dem Erwerb des Fahrzeugs die Nationalfarben Schwedens auf seinem Ferrari GTO.

Auch in der Vorkriegsklasse „The Titans, Dirt, Dust and Danger“ gab es einige wirkliche Rennlegenden zu bestaunen. Der 1936er Lagonda LG45 Rapide, der unter anderem 1937 die 24 Stunden von Le Mans bestritt und bis 1964 im Renneinsatz war. 1937 trat der Brite Alan Hess mit diesem Lagonda eine Rekordfahrt an und wollte die damalige Spitzenmarke von 100 mph sprengen. Er erreichte auf der regennassen Fahrbahn von Brooklands genaue 104,44 mph und durchbrach damit die magische Schallmauer für britische Tourenwagen mit Straßenzulassung.

170 km/h war 1930 eine unglaubliche Geschwindigkeit und verwies auf einen echten Rennboliden, den Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport. Als Werksrennwagen in der Targa Florio wurde der Bugatti Typ 35 von 1925 eingesetzt. Ältester Straßenrennwagen, auch wenn dies stets Ettore Bugatti zugeschreiben wird, baute Giuseppe Stefanini mit dem 1909er Isotta Fraschini FENC.

Nur zehn Jahre jünger ist der Isotta Fraschini Tipo 8A Super Spinto, damals die schnellste Luxuskarosse weltweit. Die Karosserie dieses Roadster Cabriolets wurde bei Castagna gebaut. US Präsident Nelson Rockefeller saß 1967 persönlich am Lenkrad des Rolls Royce Phantom I mit Brougham de Ville Karosserie von Brewster & Co.. Besonders auffällig sind die vergoldeten Zierteile an diesem Rolls Royce. Ebenfalls aus den USA stammt der eindrucksvolle Cadillac V-16, von dem nur noch zehn Fahrzeuge bis heute überlebt haben. Es war das erste Automobil mit einem 16 Zylinder V-Motor.

Für einen Lancia Händler in Boccia, nördlich von Turin schuf Pinin Farina 1936 exklusiv sechs Cabriolets des Lancia Astura Serie III. Das auf dem Concorso D´Eleganza gezeigte Modell ist seit 82 Jahren in unrestauriertem Zustand. Gleich daneben fand sich noch eine automobile Legende, der Bugatti T57 Atalante von 1937, der sich ebenfalls in einem unrestaurierten Zustand präsentierte. Nur 33 Exemplare dieses französischen Luxus-Fahrzeugs wurden je gebaut.

Sportlichkeit und Eleganz verbinden die Fahrzeuge in der Klasse „New World, New Ideas: The story of the GT. Nur zwei Exemplare wurden von dem Ferrari 212 Export mit Vignale Karosserie, Baujahr 1951, gebaut. Das Design entstammt der Feder von Giovanni Michelotti. Ebenfalls aus seiner Feder entstammt der Fiat 8V von 1953, der ebenfalls bei Vignale karossiert wurde. Sehr prägnant ist die extrem flache Fensterlinie bei diesem Exemplar, die seine Sportlichkeit unterstreicht. Carroll Shelbys erster Versuch, einen eigenen Sportwagen zu kreieren, ist die Corvette mit einer Scaglietti Karosserie. Es ist das erste von drei Fahrzeugen.

Das bei Scaglione gebaute 700 kg schwere Exemplar des Alfa Romeo 33/2 Stradale überzeugte vor allem das Publikum des Concorso D´Eleganza und somit erhielt der Besitzer des Fahrzeugs den „Coppa D´Oro“, den Preis für den schönsten Klassiker an der Villa D´Este.