Porsche Soundnight

Wie Geburtstag und Silvester für das Trommelfell zusammen: 13 vierrädrige Musikkünstler aus dem Porsche Museum bringen ungewohnten Sound in die Porsche Arena, pilotiert von ehemaligen und heutigen Rennfahrern sowie zahlreicher PS-Prominenz. Ehemalige Renningenieure und Zeitzeugen erinnern sich an die Rennerfolge zurück und zünden ein Feuerwerk automobiler Emotionen. Vor knapp 4.000 Zuhörerinnen und Zuhörer sind die Starts der meist ungedämpften Motoren die emotionalen Höhepunkte des Events. Anlässlich „70 Jahre Porsche Sportwagen“ fand die Sound Nacht in diesem Jahr in der Stuttgarter Porsche Arena statt. „Die Porsche Arena ist ganz genau der richtige Rahmen für das 70-jährige Jubiläum unserer Sportwagen“, betont Le Mans Sieger Marc Lieb.

Den Auftakt des Abends bildet der 356 „Nr. 1“ Roadster aus dem Jahr 1948 – in die Arena eingefahren von Walter Röhrl, zweifacher Rallye-Weltmeister und einer der vielseitigsten Rennfahrer aller Zeiten. Herbert Linge, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert hat, stellt Technik und Geschichte des ersten Sportwagens von Porsche vor.

Der zweite Star des Abends: Herbert Linge blickt gemeinsam mit Rennmotoren-Entwickler Valentin Schäffer auf die Historie des Porsche 804 Formel 1 zurück. Renn- und Testfahrer Lars Kern präsentiert den Boliden dem Publikum. „Die Kleinsten sind immer die Lautesten“, schmunzelt Valentin Schäffer.

Marc Lieb, der sechs Gesamtsiege bei internationalen 24-Stunden-Rennen erzielen konnte und 2016 den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans und den Fahrertitel in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft gewann, präsentiert den 911 (996) GT3 RSR zusammen mit Stéphane Ortelli am Lenkrad. Mit Ortelli bestritt Lieb sein erstes Jahr als Werksfahrer. „Mit diesem Fahrzeug begann meine internationale Karriere“, erinnert sich Lieb. „Es waren noch richtige puristische Autos ohne Traktionskontrolle. Das hat wirklich Spaß gemacht.“ „Dieses Auto berührt mein Herz: Man spürt dieses Auto und es ist einfach richtig laut“, bekräftigt Ortelli.

Renn-Elfer ohne Straßenzulassung: Aus dem Jahr 1998 präsentieren Roland Kussmaul und JP Perfomance den 911 (996) Cup. „Das 996 Cup Fahrzeug ist für mich eine richtige Maschine“, betont JP.

Der ehemalige Porsche Rennentwickler Roland Kussmaul fährt den 911 (964) Carrera 2 Cup auf die Bühne. Der Chef des Team Manthey, Olaf Manthey, gesteht: „Diese Straßenversion eines Renn-Elfers war zunächst wie eine Diva für mich. Ich musste mein Fahrverhalten komplett umstellen.“

Soundcheck 1998: Der ehemalige Renningenieur Norbert Singer und der ehemalige Rennfahrer Stéphane Ortelli sprechen über das Siegerauto von Le Mans 1998, den 911 GT `98. „Dieses Auto war wie für Le Mans gemacht. Man kann es mit Fingerspitzengefühl 250 km/h um die Kurve tragen“, lobt Ortelli den GT1 `98. „Dieses Fahrzeug ist definitiv einer meiner Lieblingswagen.“
Langstrecken-Ikone Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck und der fünffache Le Mans Sieger Derek Bell klatschen sich vor dem 962 C ab, mit dem sie 1987 die 24 Stunden von Le Mans für Porsche gewannen. „Ist es nicht das geilste Auto, was es gibt“, fragt „Strietzel“ Stuck in das begeisterte Publikum. „Porsche hat es verstanden, ein Auto für die Fahrer zu bauen. Die Kombination aus Leistung, Reifen und Abtrieb machen den 962 C zu meinem absoluten Favoriten“, betont Stuck.

Zurück aus der Wüste: Porsche-Rennleiter Peter Falk und Rennfahrer-Ikone Jacky Ickx stehen am 959 Paris Dakar. Jacky Ickx initiiere 1984 Porsches erste Teilnahme bei der Paris Dakar. „Dank der Porsche Ingenieure, haben wir 14.000 Kilometer in drei Wochen, ohne große Veränderungen am Fahrzeug, in der Wüste schaffen können. Wir sind erfolgreich mit 230 km/h über die Wellen aus Sand gefahren“, blick Ickx zurück. Seine Tochter Vanina Ickx fährt den 959 Paris Dakar ein, den ihr Vater einst durch die Wüste pilotierte: „Obwohl dieses Originalfahrzeug bereits über 30 Jahre alt ist, könnte man jederzeit damit wieder losfahren“, betont Vanina Ickx.

Der Belgier Jacky Ickx, der zu den erfolgreichsten Rennfahrern bei Porsche zählt, präsentiert den Porsche 935/78 „Moby Dick“, mit dem er 1978 beim Sechs-Stunden-Lauf in Silverstone einen Sieg einfuhr. Den mit 845 PS stärksten 911 aller Zeiten anwerfen darf JP Performance, Youtuber und Fernsehmoderator: „Dieses Auto ist der Held meiner Jugend.“ Norbert Singer erinnert sich: „Mit diesem Auto haben wir verstanden, wie wir das Reglement reglementieren konnten“. „Dieses Auto ist einfach eine Rakete“, bescheinigt Jacky Ickx.

Der niederländische Rennfahrer Gijs van Lennep, Sieger in Le Mans 1971 und 1976 sowie bei der Targa Florio 1973, fährt persönlich den 911 Carrera RSR Turbo 2.1 durch die Arena. Zusammen mit dem Liechtensteiner und ehemaligen Rennfahrer Manfred Schurti stellt er den ersten 911 Rennwagen mit Turbolader vor.

Rennlegende Hans Herrmann und die britische Rennikone Richard Attwood, der zum ersten Mal bei der Sound Nacht dabei ist, fuhren 1970 mit dem 917 KH den ersten von mittlerweile 19 Gesamtsiegen von Porsche bei den 24 Stunden von Le Mans ein. Sie präsentieren den Typ 917 KH aus dem Jahr 1971. „Der 917 war ein grandioses Auto. Im Training fuhren wir 384 km/h auf der Geraden – im Rennen haben wir es dann bei 360 km/h belassen“, erinnert sich Hans Herrmann. „In Goodwood habe ich noch immer die Ehre, den 917 fahren zu dürfen“, freut sich Richard Attwood. „Und für mich ist es einfach der beste Sound.“

Das Le Mans Siegerauto von 2017, der 919 Hybrid, wird von Marc Lieb in die Arena eingefahren. LMP1 Teamchef Andreas Seidl erinnert an die schwierigen Zeiten zu Beginn des LMP1-Programms in den Jahren 2012 und 2013. Beim ersten Einsatz in Le Mans 2014 gelang fast der Überraschungssieg, doch so haltbar war der rund 1000 PS starke Hybrid-Prototyp damals noch nicht. Es folgten dann aber drei Gesamtsiege in Le Mans in Folge – der Hattrick war 2017 geschafft. Marc Lieb gewann 2016 mit dem 919 in Le Mans – einer der größten Erfolge seiner Laufbahn.