Ferrari P80/C – das extremste Einzelstück aller Zeiten

Eine völlig neue und moderne Version des Prototyp-Konzepts von Ferrari zu erstellen, ist sowohl ein ehrgeiziges als auch ein komplexes Unterfangen. In diesem Sinne und mit sehr spezifischem Input des Auftraggebers wurde das neue Ferrari-Einzelstück, der P80/C, konzipiert. Das Ferrari Styling Center unter der Leitung von Flavio Manzoni und das Team für Konstruktion und Aerodynamik arbeiteten Hand in Hand mit dem Kunden und tauschten Prinzipien und Visionen aus, um ein neues “Hero Car” mit einer absolut einzigartigen und authentischen Seele zu schaffen.

Der Kunde, ein großer Kenner der Ferrari-Welt, stammt aus einer Familie von langjährigen Enthusiasten und Bewunderern des Prancing Horse und ist selbst ein sehr erfahrener, anspruchsvoller Ferrari-Sammler. Er war somit der perfekte Partner, um ein so anspruchsvolles Projekt zu gestalten, das ein Höchstmaß an Interaktion sowie emotionale Beteiligung erfordert.

Die Briefing des Kunden war, einen modernen Sportprototypen zu kreieren, der von ikonischen Modellen aus der Geschichte von Ferrari inspiriert wurde: einerseits dem 330 P3/P4 einerseits und andererseits dem 1966 Dino 206 S.

Mit dem P80/C hatte das Ferrari Styling Center daher ein ehrgeiziges Ziel: Die Entwicklung eines neuen Produkts, das im aktuellen Ferrari-Sortiment einfach nicht vorhanden war: einem Sportprototypen, der von den Autos inspiriert wurde, die im Wesentlichen ihre eigenen Styling-Regeln hatten, berühmte Ikonen, die, obwohl als Rennwagen konzipiert, auch eine ganze Reihe eleganter Straßenautos beeinflussten. Ein Beispiel ist die enge Beziehung zwischen dem Rennwagen Dino 206 S und dem Serien-Dino 206/246 GT. Beide Versionen haben trotz eines anderen Styling-Lexikons eine gemeinsame DNA: Ferrari-Rennelemente im ersten Fall, während die letzteren die nüchternen, verfeinerten Linien der Straßenautos besitzen.

Das P80/C-Projekt hatte 2015 die längste Entwicklungszeit, die ein Ferrari-Einzelstück bisher benötigte. Diese äußerst langwierige Geburt war das Ergebnis eingehender Styling-Forschungen und langjähriger technischer Entwicklungen mit einer sorgfältigen Analyse der Leistungsparameter sowie sorgfältigen aerodynamischen Tests, die alle einen anderen Ansatz hatten als alle anderen Einzelstücke von Ferrari in der Vergangenheit.

Normalerweise handelt es sich bei diesem Fahrzeug eher um eine stilistische Neuinterpretation von Modellen im aktuellen Fuhrpark – ein neues Konzept oder eine Grundidee, die eine Abkehr vom Geberauto markiert, baut auf vorhandenen Fahrwerken auf. Die glorreiche Geschichte des italienischen Karosseriebaus ist genau das: eine Fülle außergewöhnlicher Autos, die auf demselben Chassis basieren, jedoch von verschiedenen Karosserien getragen werden.

Der P80/C unterscheidet sich jedoch grundlegend. Es ist ein Rennstreckenfahrzeug, was bedeutet, dass die Leistung ein wesentlicher Faktor ist. Dies führte das Design-Team nicht nur auf ein absolut einzigartiges Design hin, sondern zwang es auch zu radikalen Änderungen am Fahrwerk des Basis-Fahrzeugs.
Die Entscheidung fiel hierbei auf das 488 GT3-Chassis, nicht nur wegen der Leistung, sondern auch wegen des längeren Radstands (+ 50 mm gegenüber dem 488 GTB), der mehr Gestaltungsfreiheit ermöglichte. Im Hinblick auf das klassische Layout des Ferrari 488, in dem das Cockpit in der Regel in der Mitte angeordnet ist, gestattete das GT-Chassis den Konstrukteuren die Hervorhebung eines Vorwärtseffekts der Kabine, bei dem das Heck verlängert wurde, wodurch das Fahrzeug einen aggressiveren, kompakteren Charakter erhält. Dies war einer der Eckpfeiler des P80/C-Designs im frühen Stadium des Designprozesses.

Eine markante Keilform dominiert die Seitenansicht an der Fahrzeugfront. Die muskulösen Formen der vorderen und hinteren Kotflügel mit dazwischen gesetztem Cockpit werden durch sehr breite Strebepunkte betont, die sich zu den seitlichen Lufteinlässen hin ausdehnen. Dies vermittelt den Eindruck, dass das Cockpit vollständig mit der Karosserie verschmolzen und durch die umlaufende Windschutzscheibe noch verstärkt wird, die den ikonischen Look von Sportprototypen der Vergangenheit zitiert. Die fliegenden Strebepfosten laufen in Richtung Dach zusammen und unterstreichen den Visiereffekt. Alle diese Funktionen sind nicht nur Referenzen an den 330 P3/P4, sondern auch eine Hommage an den Dino und die 250 LM-Berlinettas.

Von oben gesehen ist es klar, dass die Karosserie über der Vorderachse am breitesten ist, sich dann jedoch stark verengt, wodurch sich eine enganliegende Taille um die hintere Tür bildet, bevor sie sich am Heck wieder dramatisch verbreitert. Diese wegweisende Architektur wird auch durch fliegende, von der Kabine physisch getrennte C-Säulen betont. Zum einen umschließen die C-Säulen die Lufteinlässe des Ladeluftkühlers, zum anderen betonen sie den starken Höhenunterschied zwischen dem Dach und den Oberflächen der hinteren Motorabdeckung. Im Vergleich zu einer normaleren Fortsetzung der Dachlinie über der Motorabdeckung wurde eine extremere Lösung bevorzugt, die eine große Leere hinter dem Cockpit mit einer vertikalen Heckscheibe erzeugt.

Die Front des Wagens hat eine formale Geometrie im Katamaran-Stil. Die markante Nase wird durch die fast flügelartige Form unterstrichen, die das Zusammenspiel der Hohlräume sehr gut zur Geltung bringt. Die großen Kühlerlüftungsöffnungen befinden sich direkt hinter dieser flügelähnlichen Struktur und diese Auslässe über der Fronthaube unterstreichen die kraftvollen, muskulösen Flügel.

Die Tatsache, dass der P80/C nur für den Gebrauch auf der Rennstrecke homologiert ist, bedeutete, dass auf Komponenten verzichtet werden konnte, die in einem Straßenfahrzeug als lebenswichtig erachtet werden und die auch das Styling stark beeinflussen. Klassische Scheinwerfer sind im Wesentlichen verschwunden. Oder vielmehr wurden sie auf bloße Schlitze reduziert, die an der Vorderseite des Wagens in Nischen eingelassen sind und an die Lufteinlassgehäuse im Kühlergrill des 330 P3 / P4 erinnern. Anders als beim 330er sind die Gehäuse des P80/C jedoch nicht in einem ovalen Kühlergrill angeordnet, sondern sehen eher aus wie zwei Taschen, die vorne in das Auto geschnitzt sind.

Das gleiche Styling-Element erscheint am Heck des Fahrzeugs wieder. Der Heckspoiler ist sehr breit und erfüllt die aerodynamischen Anforderungen. Die beiden Heckleuchten sind so gestaltet, dass sie wie Belüftungsöffnungen wirken und das Design der Front perfekt widerspiegeln.
Sogar die hintere Blende, die das Fahrwerk vollständig sichtbar lässt, hat eine Katamaran-Architektur. Dadurch konnte das Innere ohne Karosserie vervollständigt werden. Tatsächlich ist der einzige Inhalt ein Kühlergrill, um die Wärme aus dem Motorraum abzuleiten. Der übrig gebliebene Raum ist mit einem riesigen Heckdiffusor belegt, der sich fast vom Rest des Autos zu trennen scheint.

Die Verwendung einer konkaven Heckscheibe und Aluminiumlamellen an der Motorabdeckung, eine Reminiszenz an den 330 P3/P4, verleiht dem P80/C einen unmittelbar erkennbaren und einzigartigen Look.

Auf Wunsch des Kunden wurde das Fahrzeug mit einer doppelten Seele entworfen: einem Rennset, das aus einem ziemlich auffälligen Carbonfaser-Flügel und 18-Zoll-Single-Nut-Rädern besteht, und einem Ausstellungspaket mit 21-Zoll-Rädern, jedoch ohne Aerodynamik Anhänge, um die Reinheit seiner Formen hervorzuheben.

Der Innenraum entspricht weitgehend dem des Basiswagens mit einem in die Karosserie integrierten Überrollkäfig. Die Seitenteile des Armaturenbretts wurden gegenüber der Version des 488 GT3 neu gestaltet, ebenso die Sitzbezüge und Türverkleidungen. Letztere bestehen jetzt aus Kohlefaserschalen und haben keinen Einfluss auf das Fahrzeuggewicht.