Der BMW i8 als Automobilskulptur

Der international renommierte Maler und Bildhauer Thomas Scheibitz hat im Dialog mit seinem langjährigen guten Freund Bernd Heusinger dessen BMW i8 umgestaltet. Dabei handelt es sich weder um eine Auftragsarbeit für BMW noch um ein BMW Art Car, sondern um ein eigenständig initiiertes Form- und Farbexperiment. Die daraus entstandene Automobilskulptur wurde am 18. Mai in Scheibitz‘ Berliner Atelier erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Für den 1968 in Radeberg bei Dresden geborenen Künstler spielen die Oberflächen und die Farbgebung seiner Skulpturen eine besondere Rolle. So müssen für ihn Linie, Kontur und Volumen innerhalb der “bekannten Größen der dinghaften Welt” bestehen. Industriedesign ist für Scheibitz großer Gegenpart und gleichermaßen Inspiration. Für den Künstler sind Sportwagen gestaltete Skulpturen, bewegte Ergebnisse der Synthese von Technik und Kreativität.

Über sein Experiment Automobilskulptur „Scheibitz x Haysinger“ sagt Thomas Scheibitz: „Inhaltliche Radikalität ist eine Frage der Form. Klassische skulpturale Fragen wie Blickachsen, Detailansichten, räumliche Standpunkte, Reliefcharakteristik, Symmetrie und aufgelöste Symmetrie sowie Illusion, sind für meine Gestaltung der Karosserie eines modernen Fahrzeugs der Ausgangspunkt gewesen.“

Thomas Scheibitz ist bekannt für das Schaffen neuer Zusammenhänge durch das Spiel mit Versatzstücken und Verweisen in oft leuchtend farbigen Gemälden und Skulpturen. Die Farbfassungen, die er Stilelementen gleich auf das Design des BMW i8 appliziert, fügen sich als Bildordnung konsequent in das offene Oeuvre des Künstlers ein. Wobei die Dynamik der Linienführung gleichsam mit der zukunftsweisenden Oberflächenform der Karosserie spielt. Scheibitz geht noch weiter, indem er die innovative Karbonstruktur des Fahrzeugs mit der Gewebestruktur einer klassischen Leinwand optisch in Dialog setzt. “Größte Präzision bei größter Offenheit” hat Scheibitz einmal über sein Werk gesagt, was auf die Gestaltung der Automobilskulptur gleichfalls zutrifft.

Als Ausgangspunkt seiner Überlegungen zur Automobilskulptur diente ein im Jahr 2017 entstandenes, kleinformatiges Gemälde von Thomas Scheibitz, von dem sich gescannte und vergrößerte Fragmente nun in unterschiedlichem Kontext auf der Oberfläche des BMW i8 wiederfinden.

Seinem Arbeitsprozess von Untersuchungen und Schichtungen entsprechend, setzt sich Scheibitz bereits seit einigen Jahren mit dem Hybrid-Sportwagen auseinander: 2016 schuf er die mit Vinylfarben bemalte Röhrenskulptur „Holy Motors“, ausgestellt im Heckfenster des BMW i8. Auch diese Arbeit entstand im freundschaftlichen Dialog mit Bernd Heusinger, Autor, Regisseur und Gründer der Agentur „Zum goldenen Hirschen“ sowie CEO der Hirschen Group.

Für Thomas Scheibitz, der seit 2018 an der Kunstakademie Düsseldorf als Professor lehrt, finden bildnerische Fragen zur Malerei und Skulptur gleichwertige Beachtung. Nach einer Werkschau im Kunstmuseum Bonn zeigte die Galerie Sprüth Magers 2018 mit „The Hunter in the Snow“ zahlreiche Gemälde und Skulpturen des Künstlers in Los Angeles. Vom 11. September 2019 bis 31. Januar 2020 präsentiert die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin in einer Sonderausstellung des Museum Berggruen „Picasso/Scheibitz“ mit jeweils über 40 Werken der beiden Künstler.