Targa Florio

Stille sizilianische Bergdörfer erlebten im Mai ein Dröhnen. Nein – es war nicht der Ätna, der über allem thront. Es waren die Teilnehmer der Targa Florio, die während der 100. Ausgabe der Veranstaltung über die Insel donnerten. Wer Palermo eher aus italienischen Liebes-Schmonzetten oder Mafia Filmen kennt, erlebt in diesen Tagen gelebte automobile Tradition. Die erste Targa Florio, ein Bergrennen, startete 1906 mit zehn Automobilen als eine Art Werbefahrt des Grafen Vincenzo Florio. 148 Kilometer waren auf einem Rundkurs zu bewältigen. Damals ein sehr gefährliches und mühsames Rennen. Später wurde die Runde verkürzt. Die klassische Runde ist die Picolla Madonie, die gegen den Uhrzeigersinn rund um die Insel führt. Die Rundenrekorde lagen etwa bei 40 Minuten und auf den Siegerpodesten standen Rennfahrer wie Christian Werner (1924) Tazio Novulari (1931 & 1932) und die Rundenrekord Halter Helmut Marko (1972) und Leo Kinnunen (1970), Wolfgang Graf Berghe von Trips und Stirling Moss.

Die Geschichten, die man sich von der Targa Florio in Rennfahrerkreisen erzählt sind noch heute zum Schmunzeln. Etwa wie Rennlegende Hans Herrmann (Targa Florio Sieger 1960) mit dem Porsche 550 Spyder einmal gleich nach dem Start im Graben landete und ihn Kollege Herbert Linge mit Brotzeit versorgte im Vorbeifahren, weil Herrmann samt Wagen während des Rennens nicht geborgen werden konnte.

Die Begeisterung, die den Fahrzeugen während der Mille Miglia entgegen gebracht wird, zeigt sich auf Sizilien doppelt und dreifach. Hier sind alle automobilbegeistert. Die Straßenränder sind gesäumt von jubelnden Zuschauern, die die Fahrer feiern und anfeuern. Die diesjährigen Sieger Giovanni Moceris und Daniele Bonetti mit ihrem Fiat 508 C von 1939 erklärten sogar, dass die Targa Florio die Mille Miglia weit in den Schatten stellt und der Ansporn zu siegen durch die Begeisterung des Publikums beflügelt wurde. Die Herzen der Siziliander dürften den beiden auch im kommenden Jahr bei der 101. Ausgabe gehören.

Auf der Fahrerliste des diesjährigen Events fand man Namen wie Jean Todt (Ex-Rennfahrer), Muthar Kent (CEO Coca Cola) oder John Elkann (Präsident Fiat). Angetreten wurde in drei Kategorien: Der Targa Florio Classic, Absolute Rally Championship und Italian Vintage Car Rally Championship.

Sieger in der Klasse Absolute Rally Championship wurden in diesem Jahr Paolo Andreucci  und Anna Andreucci auf ihren Peugeot 208 T16, während Erik Comas und Yannick Roche sich mit ihrem Lancia Stratos HF in der Italian Vintage Car Rallye Championship auf das Siegerpodest platzieren konnten.