Portrait – Lamborghini Miura Roadster

Bei diesem Lamborghini Miura Roadster P400 handelt es sich um eines der wenigen One-Off-One Fahrzeuge der Welt.

Ende 1968 wurde der Miura Roadster auf der Automobilmesse in Brüssel vorgestellt. Dieser Roadster war weit mehr, als nur ein aufgeschnittenes Coupé. Das konnte gar nicht anders sein, das Fahrzeug wäre auf Grund mangelhafter Steifigkeit absolut unfahrbar. Aus diesem Grund verstärkte Bertone das Chassis beträchtlich und integrierte einen sehr robusten Überrollbügel in die Struktur. Neben der Steifigkeit des Aufbaus musste der geänderte Entwurf auch in Sachen Aerodynamik und Ästhetik überzeugen. Der Überrollbügel wurde also 30 mm flacher ausgeführt und das gesamte Wagenheck neu gestaltet. Die Lufteinlässe wurden verbreitert. In den Heckabschluss wurde eine Spoilerlippe integriert und die Kotflügel wurden umgestaltet. Die Auspuffendrohre münden durch die Heckblende und die Heckjalousie entfiel zugunsten einer konventionellen Heckscheibe.

Am Heck ist das Fahrzeug offen und präsentiert die Weber-Vergaser auf dem querliegenden V12 Motor. Die offen liegende Vergaseranlage vermittelt ohne Dach eine gewaltige Geräuschkulisse.

Im Heck wirkt ein 4 Liter V12 Motor mit einer Leistung von ca. 360 PS. Dies bringt diesen Supersportler auf eine Höchstgeschwindigkeit von fast 260 km/h. Auf jeder Bank versorgen 6 Weber-Doppelvergaser die Zylinder mit Kraftstoff. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt dieses Kraftpaket in 6,2 Sekunden.

 

 

Aber nicht nur der Mittelmotor sorgt für die stabile Straßenlage. Auch die unabhängigen Rad-Aufhängungen an doppelten Querlenkern mit Schraubenfedern und hydraulischen Stoßdämpfern an der Vorder- und Hinterachse, sorgen für eine hohe Kurvenstabilität. Für den sicheren Stillstand zeichnen sich Scheibenbremsen an allen vier Rädern verantwortlich.
Auf Türöffner von außen, Seitenscheiben und das Dach wurde verzichtet. Am Türrahmen sind die Luftleitkiemen aus gegossenem Aluminium. Der Lufteinlass ist mit einer kantigen Sicke versehen und läuft fließend in die runde Form der Heck-Klappe über.

Eine weitere Besonderheit zeigt sich im Innenraum: die Schaltknöpfe, die sich beim geschlossenen Miura an der Decke befinden, wurden in die Mittelkonsole integriert

Wie es sich für ein Showcar gehört, wurde der Roadster in einer sehr auffälligen hellblauen Metallicfarbe lackiert und Innen mit weißem Leder ausgekleidet.

Der Kühlergrill und die Wimpern um die Scheinwerfer sind identisch mit denen des P400.
Ende 1968 ging das Fahrzeug in den Besitz der Firma LEAD ZINK RESEARCH ORGANISATION (ILZRO) über. Der Wagen wurde als Showcar genutzt und Teile wurden aus Zinkguss-Legierung gefertigt. Dazu kam eine dunkelgrüne Lackierung und viel viel Chrom an den Anbauteilen.

Erst vor wenigen Jahren wurde dieser One-Off Prototyp in seinen Originalzustand, wie er hier zu sehen ist, zurückversetzt. Zur Serien-Produktion dieses Roadsters kam es nie. So bleibt dieser hier gezeigte Miura ein Einzelkind, das nur bei schönem Wetter ausgefahren wird, denn eine Möglichkeit zum Verschließen des Daches gibt es nicht.
Die Geschichte des Lamborghini Miura begann bereits 1965, als Ferruccio Lamborghini auf dem Turiner Automobilsalon die Idee eines Mittelmotor getriebenen Sportwagens präsentierte. Allerdings nur in Form eines leeren Chassis mit integriertem Antriebsaggregat und Getriebe. Diese Designstudie trug den Namen P400, wobei das P für „posteriore“ (italienisch in der Mitte positioniert) und die 400 für den 4 Liter Motor standen.

Damit griff Lamborghini die Technik vieler Rennsportwagen auf, bei denen traktionsbedingt und wegen der besseren Gewichtsverlagerung der Motor in der Mitte zwischen Fahrer und der Achse positioniert wurde. Allerdings stieß man hierbei immer wieder auf Probleme, da der Radstand erheblich verlängert werden musste.

Gianpaulo Dallara umging dieses Konstruktions-Problem, indem er sich am Aufbau des Prototypen Bugatti Type 252 orientierte. Kurzerhand drehte er Motor und Getriebe um 90 Grad baute sie parallel zur Hinterachse ein. Damit erreichte Dallara im Vergleich zum Vorgänger, dem Lamborghini 350GT eine Radstand-Verkürzung von 51mm.
Bis zum Zeitpunkt der Präsentation auf dem Turiner Automobilsalon hatte Ferruccio Lamborghini noch niemanden mit Design der Karosserie beauftragt – mit ein Grund, warum nur das Chassis präsentiert wurde. Ferruccio Lamborghini hatte ursprünglich angedacht, auch diesen Auftrag an Touring zu vergeben, die bereits für das Design der Karosserie des 350 GT verantwortlich waren. Doch er entschied sich für Bertone. Zwar freute sich Bertone über diesen Auftrag, doch es erwartete ihn harte Arbeit, denn bereits auf dem Genfer Automobilsalon 1966 sollte das neue Blechkleid Premiere haben. Es blieben nach Auftragserteilung nur noch 3 Monate Zeit.

Erschwerend wirkte, dass Giugiaro, der beste Designer im Hause Bertone, nach einem heftigen Streit mit Bertone zu Ghia wechselte und Bertone nun einen Designer suchen musste. Giugiaro hatte bereits einige Skizzen zum Projekt P400 angefertigt. Bertone ersetzte Giugiaro durch den Designer Marcello Gandini, der bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur Innenausstattungen für Nacht-Clubs entworfen hatte. Bertone glaubte an diesen jungen und unverbrauchten Designer und vertraute ihm dieses wichtige Projekt an.

Das Ergebnis war beeindruckend. Der Neue aus dem Lamborghini-Stall bekam den Namen Miura – nach Antonio Miura, einem spanischen Kampfstierzüchter.

Der Miura fand gleich mehrere Käufer. Im Werk wurde weiterentwickelt und zeitnah wurden leistungsstärkere Varianten als S und SV auf den Markt gebracht.