Streets of Habana

Begeistert zücken Touristen aller Nationen ihre Fotoapparate: Oldtimer in allen Farben setzen Akzente auf Erinnerungsbildern. Was einst aus der Not heraus geboren wurde ist heute ein Teil der kubanischen Kultur: Autos aus den 1950er und 1960er Jahren.
Auf die Revolution in Kuba war das US-Handelsembargo 1959 die Antwort. Das war der Grund, warum Kubaner jahrzehntelang keine Neuwagen kaufen konnten. Seit Anfang 2014 dürfen die Kubaner jetzt ohne staatliche Sondergenehmigung neue Autos kaufen. Zwar mehren sich die asiatischen Fahrzeuge im Straßenbild, doch das Gesicht der Hauptstadt Havanna prägen die Klassiker von Chevrolet, Cadillac und Ford.
In Kuba entwickelten sich aufgrund des Embargos teils kuriose Oldtimer. Und Oldtimer-Schrauber staunen nicht schlecht, wie sich die findigen Kubaner trotz nachhaltigem Ersatzteilemangel zu helfen wissen – über und unter der Motorhaube.
Schätzungen gehen von rund 60.000 Fahrzeugen aus, die irgendwie an Klassiker erinnern. Für Mobilität gilt hier das Motto: Was nicht passt wird passend gemacht. Ein Mercedes Ponton sitzt auf dem Fahrwerk eines Chevrolets, ein Ford aus den 50er Jahren wackelt auf der Basis eines Ladas über die holprigen Straßen. Ein VW Käfer hat sich in einer wundersamen Hochzeit mit einem amerikanischen Unterbau vereint. Der Blick unter die Motorhaube verrät noch viel mehr. Außen historisch, innen modern und auf Grund des notorischen Spritmangels, möglichst mit Dieselmotor ausgestattet.
Hier zählt nicht, was zusammen gehört. Hier geht es ums reine Fahren. Egal wie. Seit dem Embargo wurden keine neuen Ersatzteile mehr für die vielen amerikanischen Fahrzeuge, die seinerzeit die Straßen füllten, angeliefert. Die Kubaner helfen sich selbst – jeder mit mehr oder weniger Talent. Sie arbeiten mit selbst gebasteltem Werkzeug aus Küchengeräten oder anderen Haushaltsutensilien, formen aus Teilen ehemaliger Sowjet-Autos neue Kotflügel und leisten wirklich Erstaunliches.
Wer gehofft oder befürchtet hat, dass Oldtimer im patinierten Zustand in den Jahren nach der Niederlegung des Embargos den Markt fluten würden, der darf durchatmen. Nichts von alledem ist passiert. Der Grund liegt auf der Hand: Sammler in den anderen Teilen der Welt legen Wert auf „matching numbers“ und Originalität. Und seit Kuba erkannt hat, dass die farbenfrohen Klassiker-Taxis einen Alleinstellungswert im Tourismus-Business darstellen, wird auch nichts mehr verkauft.
Ende der 80er Jahre noch, hatte die Regierung betagte Fahrzeuge als Geldquelle gesehen und sie ins Ausland verkauft. Die Besitzer waren damals mit etwas Bargeld oder einem neuen Lada zum Verkauf gelockt worden. Nicht alle griffen zu.
Pfiffig sind sie, die Kubaner. Nicht nur in Sachen Schrauben und Restaurieren. Auch das Geldverdienen lernten sie schnell. Wer als Tourist auf Motivsuche ist und einen Oldtimer vor die Linse bekommt, der sollte drauf gefasst sein, dass irgendwoher jemand springt, der sich für das schön postierte Motiv entlohnen lässt.