Scheunenfund im Scheinwerferlicht

Immer wieder tauchen große Sammlungen im Rampenlicht auf, die vorher nur einem kleinen Kreis bekannt waren. So auch die Sammlung von John Hawkinson, die Moderator und „Oldtimer-Jäger“ Wayne Carini für Filmaufnahmen zur Serie „Chasing Classic Cars“ besuchte. John Hawkinson war im July 2016 im Alter von 83 gestorben. „Hawkeye“, wie ihn Freunde auch nannten, lebte wie ein Einsiedler an der NY Route 86 bei Harrietstown. Durch seine Sammlung in einem alten Holzschuppen mit rund 40 Vorkriegsfahrzeuge aus den 1920er Jahren wurde er nun posthum vielen Menschen bekannt.

John Hawkinson lebte sehr einfach. In seinem zweistöckigen Holzhaus hatte er kein fließend Wasser und erst seit ein paar Jahren elektrischen Strom. Er wurde als Sohn eines reichen Maschinenebau- und Werkzeugfabrikanten geboren und entdeckte schon früh seine Leidenschaft für Automobile. Im Nachlass fand man ein Foto, auf dem er als elfjähriger Junge stolz in einem Chevrolet posierte. Hawkinson studierte und 1956 kaufte er ein Stück Land an der Route 86. Mit seiner Mutter baute er dort die beiden Holzschuppen auf. Er war ein guter Mechaniker und wollte einen Oldtimer-Restaurations-Firma eröffnen. Also begann er alte Fahrzeuge zu kaufen. Bis heute wurden nur wenige Arbeiten an den Oldtimern vorgenommen, die Fahrzeuge blieben aber in einem einzigartig guten Zustand.

Das älteste Fahrzeug war ein Linn Traktor von 1919. Das wertvollste Fahrzeug ein belgischer Minerva Typ Am mit einer französischen Hibbard & Darrin Sonderkarosserie. „Hawkeye“ kaufte das Fahrzeug nicht in einem. Der Minerva stand in einer Garage in Conneticut. Hawkinson wollte das Fahrzeug unbedingt haben, konnte es sich aber nicht leisten. So fand er eine Absprache mit dem Besitzer und kaufte zwischen 1959 und 1974 das Fahrzeug in Einzelteilen. Immer wenn er sich wieder etwas leisten konnte, erwarb er zum Bespiel die Kühlermaske und die Kühlerfigur, ein anderes Mal die vier Räder oder den Vergaser. Chassis und Aufbau ließ er bis 1974 in der Garage des Vorbesitzers. Erst 1974 konnte er sich diese beiden Teile auch leisten. Er baute das Fahrzeug neu auf. Dieser Minerva und die anderen Luxus Fahrzeuge, darunter Packards, Reo, Buicks, Cadillacs und Pierce Arrows standen in den Schuppen. Darunter auch drei Feuerwehr Fahrzeuge aus den 20er Jahren.

Die Fahrzeuge kamen nun nach dem Tod von „Hawkeye“ zum Verkauf. Die Feuerwehrfahrzeuge konnten an die jeweiligen örtlichen Feuerwehren zurückverkauft werden. Die restlichen Fahrzeuge wurden zu sehr guten Preisen verkauft werden. In seinem Testament legte Hawkeye fest, welchen wohltätigen Zwecken die Einnahmen zugeführt werden sollen.
Wayne Carini konnte den Minerva bei der kürzlich stattfindenden Auktion ersteigern. Carini möchte den Minerva erst einmal nur reinigen und aufbereiten, um ihn dann beim nächsten Amelia Island Concours D´Elegance 2017 zu präsentieren.

FOTOS: Youtube / Josh Clement Productions LLC