100 Meilen von Amsterdam

Jedes Jahr am letzten Sonntag vor Weihnachten findet rund um Amsterdam/Holland die „100 Meilen von Amsterdam Rallye“ statt. Auf dem Großen Markt in Haarlem versammeln sich dann am Nachmittag rund 55 Vorkriegs-Oldtimer zur Startaufstellung. Denn das Besondere an dieser Rallye ist, dass die 100 Meilen während der Abend- und Nachtstunden gefahren werden. Rund die Hälfte der Teilnehmer waren aus dem Ausland nach Holland gekommen. Sechs Fahrzeuge aus Irland und dreizehn Fahrzeuge aus England. Nach einer ausgedehnten Stärkung der Teilnehmer beim Abendessen, schwenkte der niederländische Komiker und Sänger Jules Deelder in diesem Jahr die Starterflagge.

Es ist schon eine Herausforderung mit Oldtimern durch die Nacht zu brausen – im Winter bei Eiseskälte und in offenen Vorkriegsfahrzeugen ganz besonders. Die erste Wertungsprüfung wurde auf der Zandvoort Rennstrecke absolviert. Hier war Geschicklichkeit gefragt. Auf einer eisglatten Strecke mussten die Fahrer eine vorgegebene Zeit fahren. Zu viel Gas bedeutete wieder zurück an den Start zu fahren. Ebenso auch für Kandidaten, die zu langsam fuhren. Natürlich durfte niederländische Kultur bei dieser Rallye nicht fehlen. Beim ersten Halt in Amsterdam an einer Bar, mussten die Teilnehmer traditionsgerecht einen rohen Hering essen. Wer dies nicht tat, erhielt Strafpunkte. Wer ein geschlossenen Oldtimer fuhr, hatte bei der nächsten Prüfung deutliche Nachteile, denn entlang des Kanals musste ein Ball während der Fahrt in einen Korb geworfen werden.
Vor kurzem wurde das weltberühmte Rijksmuseum (Reichsmuseum) renoviert. Während man in der Politik heftig diskutiert, ob in Zukunft weiterhin Fahrradfahrer unter dem Museum durchfahren dürfen, waren es an diesem Abend die Vorkriegs-Oldtimer, die unter dem Museum die Vorfahrt genossen.

Anschließend ging es wieder raus aufs freie Land rund um Amsterdam. Der Nebel war aufgezogen und die Sicht wurde dadurch erheblich behindert. Kein Problem, wenn es auf einer geraden gut beleuchteten Straße entlang geht, aber die Strecke führte über gewundene kleine Straßen ohne Mittelstreifen. Für alle Fahrer eine anspruchsvolle Herausforderung. Ein Teilnehmerfahrzeug geriet auf Abwege und musste aus der Böschung zurück auf die Straße gezogen werden. Aber je später die Nacht, desto klarer und kälter wurde es. Gegen Mitternacht fuhren dann auch schon die ersten Teilnehmer über die Ziellinie in Out-Zuilen in der Nähe von Utrecht.

Sieger der Rallye wurde das Team Notebom/Belser mit ihrem Stutz K Open Tourer von 1921. Den zweiten Platz belegten van Blaricum/ van Blaricum mit ihrem Lagonda Baujahr 1931 vor dem Team Gast/Gast mit ihrem sehr originalen Lancia Dilambda von 1928.

FOTOS: ©WMfotografie.nl