Lancia Stratos

Bereits 1970 hatte Bertone eine Designstudie des Stratos vorgestellt. Doch die Idee eines Super Sportwagens konnte in Anbetracht des verwendeten 4-Zylinder Motors des Lancia Fulvia nicht wirklich transportiert werden. Auch die Fahrerposition direkt auf der Vorderachse überzeugte nicht. Hinzu kam der ungewohnte Einstieg über die nach oben aufklappende Türe an der Front, die diesen ersten Entwurf wieder in der Schublade verschwinden ließ.

 

 

Als Anfang der 70er der Rallyesport an Bedeutung gewinnt, ringt Rallye-Team-Leiter Cesare Fiorio seinen Vorgesetzten die Genehmigung zum Bau eines neuen Projektes ab: ein speziell auf den Motorsport zugeschnittenes Straßenfahrzeug. Im künftigen Sportwagen wird der Ferrari-Sechszylinder aus dem Dino 246 zum Einsatz kommen. Das 2,4-Liter-Aggregat leistet mit drei Doppelvergasern zunächst 240 PS, in den Evolutionsstufen dann 270 PS und 330 PS. Die Lancia Ingenieure entwickeln für den Renner ein zweisitziges Stahl-Monocoque, an dem Motor und Vorderachse mit einem Hilfsrahmen befestigt werden. So bleibt das PS-Geschoss 960 Kilo leicht. Bertone entwirft eine glasfaserverstärkte Kunststoffkarosserie, bei der die vordere und hintere Haube komplett abgenommen werden kann. Die Übersetzung des Fünfgang-Getriebes ist dadurch in wenigen Minuten wechselbar, was im Rallyesport von Entscheidung sein kann.

Der Lancia Stratos HF erregte 1971 beim Publikum auf dem Automobilsalon großes Aufsehen. Wieviele Exemplare tatsächlich gebaut wurden ist nicht bekannt und Zahlen beruhen lediglich auf eine Schätzung Bertones. Aber man vermutet es sind ca. 500 Modelle der Straßenversion Stradale. Diese Straßenversion musste mindestens 400 mal gebaut werden, damit Lancia für die Stratos Rennfahrzeuge die Homologation erhielt. Zu Beginn der 70er Jahre hatte die FIA diese Pflichtzahl von 500 auf 400 reduziert.

Im Heck fand der V6-Motor des Ferrari 246 GT Platz. Dieser 2,4 l Motor mit einen 12-Ventil-Zylinderkopf und eine Höchstleistung von 195 PS erreicht aus dem Stand in 6,8 Sekunden die 100-km/h-Marke und eine Höchstgeschwindigkeit von 248 km/h. Der Motor ist ebenso wie bei den Ferrari 246GT Versionen ist der Motor nicht längs, sondern quer über der Hinterachse eingebaut. Mit diesem Mittelmotor gewinnt der Straßensportler Stabilität.

Mit seinen 3,67 m und einem Radstand von 2,16 m wirkt der Stratos kompakt wie ein Geschoss. Im Innenraum herrscht wenig Bequemlichkeit. Wer sich in die Schalensitze quetscht schätzt Sportlichkeit.

Lancia wurde mit dem Stratos 1974, 1975 und 1976 Rallye-Weltmeister und mit insgesamt 18 WM-Siegen eines der erfolgreichsten Rallyeautos aller Zeiten. Die Straßenversion blieb hinter den Erwartungen und so wird erzählt, dass der ursprüngliche in Deutschland gültige Kaufpreis von 49.500 Mark am Ende auf 15.000 Mark gesunken sei. Heute ist der Stratos ein äußerst gesuchtes Oldtimer-Sammlerstück.